▷ Das Ringen um den CDU-Parteivorsitz Von Teamgeist keine Spur Lothar Schmalen, Düsseldorf


18.02.2020 – 20:00

Neue Westfälische (Bielefeld)

Bielefeld (ots)

Erst Friedrich Merz, Jens Spahn und Armin Laschet – und jetzt auch Norbert Röttgen. Das Potenzial an Bewerbern in der NRW-CDU für den Parteivorsitz scheint unerschöpflich. Bedenkt man, dass mit Generalsekretär Paul Ziemiak und Bundestagsfraktionschef Ralph Brinkhaus weitere NRW-Christdemokraten entscheidende Positionen der CDU inne haben, dürfte den Unionisten in den anderen Landesverbänden langsam schwindlig werden.
Sicher ist der CDU-Landesverband NRW mit seinen 122.000 Mitgliedern der bei weitem größte Landesverband der Partei, dennoch stellt dieser Landesverband „nur“ gut ein Viertel aller Mitglieder. Die Frage sei also erlaubt: Gibt es eigentlich in den anderen drei Vierteln der Partei niemanden, der für ein Spitzenamt infrage kommt?
Mit Röttgen zurück zu alter Stärke? Das vermag sich selbst in Nordrhein-Westfalen, wo der frühere CDU-Landeschef seit seiner krachenden Niederlage bei der Landtagswahl 2012 gegen die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, eher als der Verlierer schlechthin wahrgenommen wird, niemand vorzustellen. Ein Rätsel also, warum sich Röttgen, der sich in den vergangenen Jahren durchaus neues Renommee als Außenpolitiker erarbeitet hat, das antut.
Man darf gespannt sein, wie NRW-Landeschef Armin Laschet den Prozess der Kandidatenfindung in seinem Landesverband wieder in den Griff bekommen will. Als Geburtstagsgeschenk jedenfalls wird Laschet, der gestern 59 Jahre alt wurde, die Überraschungskandidatur seines früheren Rivalen Röttgen nicht empfunden haben. Gerade erst hatten sich Laschet, Spahn und CSU-Parteichef Markus Söder für ein Team an der Spitze der Union ausgesprochen. Von Teamgeist ist bei den führenden CDU-Playern zurzeit allerdings nichts zu spüren. Mit dem ersten „offiziellen“ Kandidaten Röttgen scheint sich das Bewerber-Niveau zudem jetzt auch noch eher nach unten zu bewegen.
Und noch etwas anderes ist jetzt klar: Mit einer Führung des Prozesses „von vorne“, wie AKK sich das bei ihrer Rücktrittsankündigung vorgestellt hat, also erst einen Kanzlerkandidaten küren und den dann auch zum Parteivorsitzenden wählen, hat das, was sich da gerade in der CDU abspielt, rein gar nichts zu tun.
Merz, Spahn, Laschet, Röttgen, Ziemiak, Brinkhaus – alle aus NRW und alles Männer. Nach der langen Kanzlerschaft von Angela Merkel und dem kurzen Zwischenspiel mit Annegret Kramp-Karrenbauer an der Parteispitze ist die Ära der Frauen bei der CDU jetzt wohl beendet – im Gegenteil: mit einer absoluten Männerherrschaft ist die Partei zumindest in dieser Hinsicht schnurstracks auf dem Weg zurück in das vergangene Jahrhundert.

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