▷ Das Tempo ist zu hoch / Kommentar von Susanne Leinemann zum Schulstart in Berlin


07.01.2021 – 18:26

BERLINER MORGENPOST

BerlinBerlin (ots)

Kurzform: Die Maßnahmen sind alles andere als „behutsam“. Warum gleich mit drei, vier Jahrgängen ab Montag einsteigen, warum nicht mit denen beginnen, die wirklich unmittelbar vor dem Abitur stehen: den Klassen 12 und 13. Bei denen wird die Zeit langsam knapp, wenn es mit der Hochschulreife noch klappen soll. Aber bei den anderen Klassen? Da hätte man langsamer voranschreiten können. Nein, der Stufenplan der Senatsbildungsverwaltung kennt nur ein Tempo – ein gefährlich hohes. Das ist unverantwortlich.

Der vollständige Kommentar: Eine kleine Denksportaufgabe: Wenn in der Hauptstadt – je nach Schultyp – im Januar die Jahrgangsstufen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 9, 10, 11, 12 und 13 stundenweise in kleinen Gruppen in die Schulen zurückkehren, wer bleibt dann zu Hause? Genau: lediglich die Klassen 7 und 8. Viele Berliner Schüler, Eltern und Pädagogen reiben sich nun die Augen. Das soll ein harter Lockdown sein? Allein 180.000 ältere Schüler, so rechnete die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Regina Kittler, am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus vor, werden ab Montag dann wieder im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sein, in den Schulen aufeinandertreffen. Zwar zeitversetzt und in kleineren Gruppen, aber sie bleiben in Bewegung.

Ziel des Lockdowns ist, die Kontakte weitmöglichst zu beschränken. Der Zeitraum dafür ist begrenzt, doch alle wissen: Dieser Januar ist entscheidend. Die Infektionszahlen sind hoch, in Berlin steigt die Zahl der Toten, und die Intensivstationen sind schon jetzt am Anschlag. Dass Schulen keine Rolle beim Infektionsgeschehen spielen sollen, wagt kaum jemand mehr zu behaupten. Selbst der Regierende Bürgermeister redet da inzwischen anders. Zu deutlich wurde im Herbst und Winter, dass die Schulen natürlich ihren Anteil hatten. Auch wenn kaum systematisch getestet wurde, sodass man die wahren Fallzahlen wohl nie erfahren wird.

„Wir starten jetzt ganz, ganz langsam“, betonte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag im Parlament. „Wir gehen schrittweise einen vorsichtigen Weg.“ Auch das Wort „behutsam“ fällt. Doch die Maßnahmen sind alles andere als „behutsam“. Warum gleich mit drei, vier Jahrgängen ab Montag einsteigen, warum nicht mit denen beginnen, die wirklich unmittelbar vor dem Abitur stehen: den Klassen 12 und 13. Bei denen wird die Zeit langsam knapp, wenn es mit der Hochschulreife noch klappen soll. Aber bei den anderen Klassen? Da hätte man langsamer voranschreiten können. Nein, der Stufenplan der Senatsbildungsverwaltung kennt nur ein Tempo – ein gefährlich hohes. Das ist unverantwortlich.

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