▷ DGB prangert massenhaften „Lohndiebstahl“ im Homeoffice an


23.01.2021 – 01:00

Neue Osnabrücker Zeitung

Osnabrück (ots)

DGB prangert massenhaften „Lohndiebstahl“ im Homeoffice an

Hoffmann drängt auf klare Regeln für digitale Arbeitswelt – „Schon jetzt werden jährlich eine Milliarde Überstunden nicht bezahlt“

Osnabrück. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) drängt auf klare Regeln für das Arbeiten im Homeoffice, um massenhaften „Lohndiebstahl“ zu unterbinden. DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Wir erleben aktuell, dass Arbeitszeiten im Homeoffice in der Regel überhaupt nicht erfasst werden. Dabei leisten die Beschäftigten in Deutschland heute schon jährlich eine Milliarde Überstunden, die nicht bezahlt werden. Das ist Lohndiebstahl. Und der wird verstärkt, wenn es keine vernünftigen Regeln für die digitale Arbeitswelt gibt.“

Hoffmann forderte erneut ein Recht auf Homeoffice und betonte, das Thema müsse ganz oben auf der Agenda bleiben. Er sagte voraus, die Gestaltung der digitalen Arbeitswelt werde eine der großen Aufgaben nach der Corona-Pandemie sein. Und das Recht auf Homeoffice sei ein ganz wichtiges Element, „wenn wir die Chancen der Digitalisierung nutzen wollen“. So könnten die Menschen mehr Selbstbestimmung bekommen über „Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen“. Der DGB-Vorsitzende verlangte zudem, die Gewerkschaften müssten ein digitales Zugangsrecht zum Betrieb bekommen – „ähnlich wie das Betriebsverfassungsgesetz bereits regelt, dass wir Zugang zur analogen Arbeitsstätte haben“.

Eine Arbeitsschutzverordnung, die Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gerade vorgestellt hat, sieht vor, dass Arbeitgeber Homeoffice überall dort möglich machen sollen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Die Maßnahme ist aber bis zum 15. März befristet. Weitergehende Pläne des Ministers für ein Recht auf Homeoffice waren unlängst am Widerstand der Unionsfraktion gescheitert.

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„20 Tage sind schnell weg“: DGB fordert weitere Verbesserungen beim Kinderkrankengeld

Hoffmann: Regelung muss sich an Dauer der pandemiebedingten Schul- und Kita-Schließungen orientieren

Osnabrück. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) drängt auf weitere Verbesserungen beim Kinderkrankengeld. DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Nach wie vor fehlen Lösungen, wie Eltern bei länger andauernden Schul- und Kita-Schließungen abgesichert werden.“ Die Neuregelung der Bundesregierung orientiere sich nicht an der Dauer der Pandemie.

„20 oder 40 Tage klingt erst mal nach viel“, so Hoffmann mit Blick auf die verbesserten Ansprüche von Eltern und Alleinerziehenden im laufenden Jahr, „aber bei sechs Wochen oder mehr ohne Betreuungsangebote sind die schnell weg“. Und wenn die Kinder dann im Verlauf des Jahres noch einmal krank würden, fehlten die Tage.

Nach dem von Bundestag und Bundesrat verabschiedeten neuen Gesetz können gesetzlich versicherte Familien in diesem Jahr 20 statt zehn Tage Kinderkrankengeld pro Kind und Elternteil beantragen. Der Anspruch besteht auch dann, wenn die Präsenzpflicht an der Schule aufgehoben oder der Zugang zum Betreuungsangebot der Kita eingeschränkt ist.

Für Alleinerziehende erhöht sich der Anspruch um 20 auf 40 Tage pro Kind und Elternteil. Eltern können das Kinderkrankengeld auch beantragen, wenn sie im Homeoffice arbeiten. Die neue Regelung soll rückwirkend zum 5. Januar gelten.

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Hartz-IV-Reform: DGB verlangt 200 Euro zusätzlich für Langzeitarbeitslose, die sich weiterbilden

Hoffmann lobt Pläne von Arbeitsminister Heil und verlangt noch weitergehende Schritte

Osnabrück. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Vorschläge des Arbeitsministers für eine Reform des Hartz-IV-Grundsicherungssystems verteidigt und zugleich noch weitergehende Schritte verlangt. DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Wir brauchen unter anderem eine deutliche Aufstockung der niedrig bemessenen Regelsätze.“

Der DGB drängt zudem auf verstärkte Anreize für die Arbeitsaufnahme. Hoffmann betonte: „Wenn die Menschen eine Qualifizierung durchlaufen, statt irgendwelche unqualifizierte Arbeit anzunehmen, reicht es nicht, ihnen 75 Euro im Monat mehr zu zahlen. Wir fordern 200 Euro zusätzlich im Monat für Bezieher von Grundsicherung, die sich weiterbilden.“

Geändert werden müssen nach den Worten des DGB-Vorsitzenden auch die Zumutbarkeitskriterien für die Annahme eines Stellenangebots. „Es kann nicht sein, dass Menschen, die jahrelang einen ordentlichen Job gemacht haben, nach Ablauf des Arbeitslosengeldes I unter Druck gesetzt werden, dass sie quasi jede Tätigkeit annehmen müssen. Das ist entwürdigend.“

Hoffmann lobte zugleich die Reformvorschläge von Arbeitsminister Hubertus Heil. „Dass wir den erleichterten Zugang zur Grundsicherung haben, dass wir in den ersten zwei Jahren des Bezugs der Grundsicherung das Vermögen bis 60.000 Euro nicht anrechnen und dass wir den Wohnraum in dieser Zeit nicht überprüfen, ist völlig richtig.“

Der Gewerkschafter wies in diesem Zusammenhang den Vorwurf zurück, Heils Pläne seien ein Schritt in Richtung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Er sagte: „Das sehe ich komplett anders. Die Anreize zur Weiterbildung folgen doch einer klaren Strategie: Wir bieten den Menschen keine ‚Abwrackprämie‘ an, sondern fördern die Wiederaufnahme von Arbeit. Das bedingungslose Grundeinkommen ist etwas völlig anderes.“

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