▷ Erfolgreiche Integration / Kommentar von Joachim Fahrun zum Einser-Abitur von …


22.06.2020 – 19:31

BERLINER MORGENPOST

Berlin (ots)

Kurzform:

Wer stets nur die Probleme und Kosten der Einwanderung nach Deutschland beklagt, sollte sich mal das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Nord-Neukölln anschauen. Dort machen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen familiären Wurzeln mit Hilfe engagierter Pädagogen und anderer Unterstützer ein Super-Abitur. Sie studieren, ergreifen qualifizierte Jobs und stützen die Gesellschaft. Vor vier Jahren, als sie in die Willkommensklassen eintraten, sprachen diese jungen Menschen kein Wort Deutsch. Jetzt wollen sie Zahnarzt oder Ärztin werden, BWL oder Chemie studieren. Sie sind der Stolz ihrer Eltern und Vorbilder für diejenigen, die sich jetzt in Willkommensklassen mit der deutschen Sprache abmühen. Geehrt wurden bei der Abitur-Verleihung auch Wegbegleiter. Sie mahnen uns, Einwanderung auch als Chance zu verstehen.

Der vollständige Kommentar:

Wer stets nur die Probleme und Kosten der Einwanderung nach Deutschland beklagt, sollte sich mal das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Nord-Neukölln anschauen. Mitten im Problemkiez am Hermannplatz gelegen, stand die Schule vor einigen Jahren schon fast vor der Schließung. Wozu brauchen die Leute dort ein Gymnasium, fragten sich viele. Heute weiß man, warum: Dort machen Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen familiären Wurzeln mit Hilfe engagierter Pädagogen und anderer Unterstützer ein Super-Abitur. Sie studieren, ergreifen qualifizierte Jobs und stützen die Gesellschaft. Dass man sich ihre Namen lieber nochmal buchstabieren lässt, daran wird man sich gewöhnen in Deutschland.
Wenn nun die ersten jungen Geflüchteten, die in der Hochzeit der Migrationsbewegung vor vier Jahren nach Deutschland kamen, an dieser Schule Einser-Abis ablegen, darf das schon fast als ein Wunder durchgehen. Vor vier Jahren, als sie in die Willkommensklassen eintraten, sprachen diese jungen Menschen kein Wort Deutsch. Zum Teil kamen sie getrennt von ihren Familien nach Deutschland, mussten sich alleine durchschlagen – und trafen doch auf Menschen, die ihre Potenziale erkannten, ihnen vertrauten und ihnen halfen, Schwierigkeiten zu überwinden. Jetzt wollen sie Zahnarzt oder Ärztin werden, BWL oder Chemie studieren. Gut, dass wir sie haben. Sie sind der Stolz ihrer Eltern und Vorbilder für diejenigen, die sich jetzt in Willkommensklassen mit der deutschen Sprache abmühen.
Geehrt wurden bei der Abitur-Verleihung auch viele Wegbegleiter, die den Jugendlichen auf ihrem Weg geholfen haben, als Profis oder als Freiwillige. Sie leben Willkommenskultur, die nun zu motivierten und ambitionierten jungen Bürgern geführt hat. Sie mahnen uns alle, Einwanderung auch als Chance zu verstehen.

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