▷ Hausärzte schlagen wegen Biontech-Lieferkürzungen Alarm


14.04.2021 – 01:00

Neue Osnabrücker Zeitung

Osnabrück (ots)

Hausärzte schlagen wegen Biontech-Lieferkürzungen Alarm

KBV-Chef Gassen: „Impfkampagne gerät massiv ins Stocken“ – Impfversprechen in Gefahr

Osnabrück. Die niedergelassenen Ärzte schlagen wegen Biontech-Lieferkürzungen Alarm und kritisieren eine Benachteiligung gegenüber Impfzentren. „Den Praxen werden in den kommenden Wochen viel weniger Biontech-Dosen zugewiesen als versprochen, weil der Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren geht“, sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Die Zuteilung für die Hausärzte wurde halbiert. Daher wächst bei den niedergelassenen Ärzten die Sorge, dass sie in den kommenden Wochen eher weniger als mehr am Impfgeschehen teilhaben können.“

Zwar erhalten die Arztpraxen als Ausgleich für Biontech-Kürzungen mehr Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs. „Aber das wird so nicht aufgehen“, warnte Gassen. „Wenn die Impfzentren komplett den vergleichsweise unproblematischen Impfstoff erhalten, die Praxen aber den umstrittenen, der zumal den unter 60-Jährigen nicht gespritzt werden darf, wird die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten. Das darf nicht passieren!“

Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn seine Zuteilungsstrategie nicht wieder ändere, gerate die Herdenimmunität in weite Ferne, so der KBV-Chef. „Kommt nicht mehr Impfstoff in die Praxen, wird das Impfversprechen, wonach im Sommer alle Willigen immunisiert sein können, nicht zu halten sein.“ Die Lieferreduzierungen in dieser und der kommenden Woche ließen „das Schlimmste befürchten“. Dabei könnten die Praxen bis zu fünf Millionen Menschen pro Woche impfen. „Rund 75.000 Arztpraxen stehen dafür bereit. Erhalten die Praxen genug Impfstoff, könnten wir schon im Juni die Herdenimmunität erreicht haben.“

Auch der Ständigen Impfkommission (Stiko) warf Gassen vor, mehr Impftempo zu verhindern: Die Hausärzte hätten nicht die Zeit, „um bei jedem Patienten Astrazeneca-Vorbehalte auszuräumen, zumal die Ständige Impfkommission hier Verwirrung gestiftet hat“, sagte er. „Von der Stiko muss deshalb jetzt ganz schnell eine klare Ansage kommen, für wen Astrazeneca gut geeignet ist. Dafür haben wir die Kommission ja.“ Auch müsse für das Vakzin die Priorisierung sofort aufgehoben werden. „Dann finden sich schnell sehr viele Menschen, die sich damit impfen lassen werden.“ Auch er selbst habe sich bereits mit Astrazeneca immunisieren lassen, sagte der KBV-Chef.

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Kassenärzte-Chef kritisiert Notbremse

Gassen: Ausgangssperren „reine Symbolpolitik“ – Durch immer neue Maßnahmen „verlieren wir die Akzeptanz der Leute“

Osnabrück. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die geplante Corona-Notbremse scharf kritisiert. „Ausgangssperren sind reine Symbolpolitik“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Die Leute haben schon jetzt einen Lagerkoller und sollen eigentlich ja raus aus den Innenräumen an die frische Luft.“

Neben der Ausgangssperre seien die geplanten Schulschließungen ab einer Inzidenz von 200 der einzige relevante Unterschied zum Status quo, und Schulschließungen hätten „gravierende Folgen für die Jugend“. Daher sei die Notbremse insgesamt sogar eher kontraproduktiv: „Durch immer neue und teils nur symbolische Maßnahmen verlieren wir die Akzeptanz der Leute“, warnte der KBV-Chef und ergänzte: „Unsere Befürchtung ist jetzt vielmehr: Mit der Notbremse soll womöglich vorgebaut werden, dass weniger Impfstoff kommt als bislang eingeplant und der Impfeffekt dann wesentlich später kommt.“

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Gassen widerspricht Intensivmedizinern: Überlastung von Kliniken „zeichnet sich Gott sei Dank nicht ab“

KBV-Chef warnt vor „unangebrachtem Alarmismus“ – Verschiebung von Eingriffen könne ausreichend Kapazitäten schaffen

Osnabrück. Kassenärztechef Andreas Gassen hat Warnungen von Intensivmedizinern widersprochen, die Kliniken seien wegen vieler Corona-Patienten fast am Limit. „Eine wirkliche Überlastung des Systems zeichnet sich Gott sei Dank nicht ab“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Die Auslastung der Intensivstationen insgesamt steige, weil der Normalbetrieb großenteils weiterlaufe. „Der Anteil der Covid-Fälle an allen Intensivpatienten liegt unter 20 Prozent. Werden wieder geplante Eingriffe verschoben, können zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden“, so seine Einschätzung. „Wenn manche schon wieder vor Triage-Szenarien warnen, in denen Ärzte entscheiden müssten, wen sie noch behandeln, ist das ein völlig unangebrachter Alarmismus.“

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