▷ Party ohne Besoffene, Kommentar zu Spacs von Christoph Ruhkamp


Spacs (Special Purpose Acquisition Companies) sind gekommen, um zu bleiben. Auf den Hype im ersten Quartal folgte ein Einbruch im zweiten Quartal, der sich jetzt als vorübergehend erweist: Fast jeden Tag kommt eines der zunächst leeren Blankoscheck-Übernahmevehikel neu an die Börse, und fast jeden Tag führt ein Spac ein bisher nicht gelistetes Unternehmen per Übernahme im Eiltempo auf kurzem Weg an die Börse. Die meisten dieser Deals gehen in den USA über die Bühne, wo sie schon ein größeres Volumen haben als die traditionellen Börsengänge – aber auch Amsterdam und Frankfurt sind zu Schauplätzen geworden.

Der vorübergehende Einbruch am Spac-Markt im Frühling hatte vor allem zwei Gründe. Zum einen wurden die „Pipe“-Investoren (Private Investment in Public Equity), die die flankierenden Kapitalerhöhungen bei Spac-Übernahmen finanzieren, angesichts der Überfülle an neuen Spacs wählerischer. Zum anderen dämpfte die US-Börsenaufsicht den Überschwang durch Regulierung. Seither müssen Spacs die Optionen, die mit ihren Aktienemissionen verbunden sind, als Verpflichtungen bilanzieren und dürfen keine maßlosen Geschäftsprognosen mehr aufstellen.

Dennoch haben sich Spacs dem Anschein nach inzwischen dauerhaft am Kapitalmarkt etabliert. Dafür gibt es gute Gründe. Als Hauptkritikpunkt an den Vehikeln gilt zu Recht, dass die Gründer („Sponsoren“) meist 20 % der Aktien kostenlos zugeteilt bekommen und deshalb immer gut verdienen – auch wenn sich später erweist, dass sie nicht in der Lage waren, die Verwässerung der übrigen Aktionäre durch einen guten Deal wieder wettzumachen.

Darauf hat der Markt reagiert: Die kostenlose Zuteilung der Aktien ist inzwischen meist an die Erreichung bestimmter Kursziele geknüpft – und das gibt den Gründern den Anreiz, die Aktionärsinteressen mit Priorität zu verfolgen. Außerdem ist das Volumen der Spac-Deals durch die flankierenden Pipe-Investments meist so groß, dass sich die Verwässerung von 20 % auf 3 oder 4 % verringert hat.

Berauschende Erfolge feiern die Spacs allerdings durchaus nicht alle. Das zeigt ein Blick auf die beiden in Frankfurt gelisteten Vehikel, die schon Übernahmeziele gefunden habe. Sowohl der Spac Lakestar des Wagniskapitalinvestors Klaus Hommels, der den Ferienhausvermittler Home To Go übernahm, als auch der Spac 468, der den Kleinkinderhörspielanbieter Boxine kauft, notieren knapp unter dem Standardausgabepreis von 10 Euro. Die Spac-Party ist nicht vorüber – aber es wird auch keiner mehr besoffen vor Glück.



Original Quelle der Pressemitteilung

Bildergalerie Altweiberfasching Kreuzwertheim , 16.02.2012

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