▷ Zeit für einen Transformator / Kommentar zum Chefwechsel bei der UBS von Daniel Zulauf


20.02.2020 – 20:20

Börsen-Zeitung

Frankfurt (ots)

Ganze 15 Monate habe der UBS-Verwaltungsrat nach einem neuen Chef gesucht, sagte deren Präsident Axel Weber gestern auf einer kurzfristig einberufenen und offensichtlich etwas improvisierten Pressekonferenz, auf der er den Medien das Ergebnis präsentierte. Der nächste CEO der weltgrößten Vermögensverwaltungsbank wird kein Privatbankier und auch kein Investmentbanker, wie dies in den vergangenen 22 Jahren seit der Fusion des Schweizerischen Bankvereins und der Schweizerischen Bankgesellschaft zur heutigen UBS üblich war. Die Ernennung von ING-Chef Ralph Hamers ist wahrlich eine dicke Überraschung.

Dafür mag es einige simple Gründe geben, etwa die knappe Verfügbarkeit von Kandidaten, die sich mit dem diversifizierten Geschäftsmodell auskennen, das Schweizer Großbanken schon lange betreiben. Doch das wahre Motiv dürfte tiefer liegen. Die UBS tut sich seit Jahren schwer damit, aus ihrer Position im globalen Bankenmarkt Kapital zu schlagen. Die Aktie dümpelt vor sich hin, und die Unzufriedenheit der Investoren nimmt laufend zu. Kosten sparen ist zwar ein Weg zu höheren Dividenden. Aber die Aktionäre wissen, dass dieser irgendwann zu einem Ende kommt. Sie erwarten stattdessen, dass ihre Bank endlich auf den Wachstumspfad zurückfindet. Diesem Auftrag ist der bisherige Chef Sergio Ermotti in seinen fast neun Jahren im Amt nie ganz gerecht geworden.

Aber warum sollte dies ausgerechnet Hamers gelingen? Die niederländische ING ist im Wesentlichen eine Retailbank. Doch sie verfügt über ein digitales Geschäftsmodell, mit dem sie auch außerhalb ihres kleinen Heimatmarktes Millionen von Kunden gewinnt. Die vielen Kleinkunden, die ING in den Beneluxländern und auch in Deutschland erreicht, sind zwar nicht das Zielpublikum der UBS. Aber offensichtlich wissen die Niederländer besser als die Schweizer, wie die Ansprüche moderner Bankkunden an die Bequemlichkeit und den Preis der angebotenen Leistungen zu befriedigen sind.

Die immer noch starke Marke UBS ist ein Wert, der sich über elektronische Kanäle zweifellos noch besser verkaufen ließe. Doch die Uhr läuft gegen die Banken. Die wertvollsten Marken gehören inzwischen den großen Technologiekonzernen, die ihre Chancen im globalen Bankenmarkt längst auch für sich selbst entdeckt haben. Die UBS hat nun einen Transformator geholt, der Abhilfe schaffen soll. Seine erste Aufgabe wird es aber sein, den Besitzstand zu wahren. Das ist schon schwierig genug. Erst dann kann UBS wieder an Wachstum denken.

(Börsen-Zeitung, 21.02.2020)

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