Das Leben auf der Straße – Obdachlosigkeit macht krank : Kommentar von Lorenz Vossen

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BERLINER MORGENPOST:

Berlin (ots) – Kurzform: Das Leben auf der Straße zehrt an der Gesundheit, die Lebenserwartung von wohnungslosen Menschen liegt 25 bis 30 Jahre unter dem Bevölkerungsdurchschnitt. Obdachlose bräuchten deshalb eigentlich gesonderte Behandlungen, doch das Gegenteil ist der Fall. Viele haben nicht mal eine Krankenversicherung, besonders aus Osteuropa Zugereiste. Und in den Krankenhäusern will man sie als Patienten in der Regel auch nicht lange behalten. Dieses Problem lässt sich nur lösen, wenn die Hilfsorganisationen Fachpersonal bekommen, das entsprechend entlohnt wird. Vier Millionen Euro zusätzlich wurde den Trägern im aktuellen Doppelhaushalt zugesprochen, geschätzt wird aber, dass es eher 25 Millionen Euro sein müssten. Auch muss der Senat, Stichwort Obdachlosentourismus, Kontakt zu den Herkunftsländern der Menschen suchen und mit diesen einen Weg finden, dass ihre Staatsangehörigen nicht mehr in Strömen nach Berlin kommen.

Der vollständige Kommentar: Wer in den Maßregelvollzug kommt, hat noch Glück, heißt es. Die Perversion dieses Umstands unterstreicht die Dramatik der Lage. Wer als Obdachloser eine psychische Erkrankung hat, sollte also straffällig werden, weil er unter Haftbedingungen eine angemessene Behandlung bekommt. Da kann irgendetwas nicht stimmen. Tatsächlich hat nicht nur die Zahl der Obdachlosen in Berlin – bis zu 6000 sind es laut Schätzungen – zugenommen, parallel hat sich auch ihr Zustand verschlechtert. Die Kältehilfe warnt, dass es auffällig viele psychische und Suchterkrankungen gibt. Die Bahnhofsmission am Zoo schätzt, dass konstant rund 1000 Menschen stark erkältet sind und Fieber haben. Dazu kommt eine gestiegene Zahl Rollstuhlfahrer, mit denen die Helfer in den Wohltätigkeitsorganisationen oft überfordert sind. Ebenfalls ein Problem: Tuberkulose. Einige sterben wegen verschleppter Lungenentzündungen. Das Leben auf der Straße zehrt an der Gesundheit, die Lebenserwartung von wohnungslosen Menschen liegt 25 bis 30 Jahre unter dem Bevölkerungsdurchschnitt. Obdachlose bräuchten deshalb eigentlich gesonderte Behandlungen, doch das Gegenteil ist der Fall. Viele haben nicht mal eine Krankenversicherung, besonders aus Osteuropa Zugereiste. Und in den Krankenhäusern will man sie als Patienten in der Regel auch nicht lange behalten. Dieses Problem lässt sich nur lösen, wenn die Hilfsorganisationen Fachpersonal bekommen, das entsprechend entlohnt wird. Vier Millionen Euro zusätzlich wurde den Trägern im aktuellen Doppelhaushalt zugesprochen, geschätzt wird aber, dass es eher 25 Millionen Euro sein müssten. Auch muss der Senat, Stichwort Obdachlosentourismus, Kontakt zu den Herkunftsländern der Menschen suchen und mit diesen einen Weg finden, dass ihre Staatsangehörigen nicht mehr in Strömen nach Berlin kommen.

 

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Bildergalerie Altweiberfasching Kreuzwertheim , 16.02.2012

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