Das verflixte 7. Jahr – Schließung der Roller Filiale in Wertheim – Leserbrief von Florian K.

Rollermart in Wertheim-Bestenheid Quelle :Copyright RayMedia.de

 

Lieber Leser,

Sie erinnern sich vielleicht noch daran, als 2011 die Discounterkette Roller das ehemalige Möbelhaus Eitel übernommen hatte. Bei einer großen Feierlichkeit zur Eröffnung der 100sten Filiale im beschaulichen Wertheim hieß es seinerzeit, in großen Versprechungen durch Herrn Vogler (heutiger Roller-Vertriebsgeschäftsführer), welcher besonderen Anstrengungen man sich bewusst sei, die man mit der Eröffnung auf sich nimmt und wie wichtig gerade dieser Standort für das Expansionsgeschäft wäre. Ziemlich genau 7 Jahre später, ist davon nichts mehr geblieben. Die Filiale in Wertheim wird zum Jahresende schließen.

Die dazugehörige PR-Nachricht wurde seitens Roller vorbereitet und vom Main-Echo übernommen. Mit besonderer Liebe fürs fehlende Detail wurde davon berichtet, dass die Mitarbeiter vergleichbare, alternative Jobangebote von Roller bekämen und der Regelbetrieb noch bis zum Jahresende aufrechterhalten wird. Für den gutgläubigen und wenig hinterfragenden Leser, ein zumindest positiver Beigeschmack, in einer vielleicht absehbaren Entwicklung. Wie in der Werbung aber gerne üblich, fehlten natürlich ein paar Details, um sich tatsächlich ein vollständiges Bild machen zu können.

Es blieb dabei außen vor, dass die Märkte Würzburg und Nürnberg(!) das Geschäft der Wertheimer Filialen kompensieren sollen und die Wertheimer Mitarbeiter ihre alternativen Jobangebote erhalten haben oder das (Stand April) erst noch werden.

Liebe Leser,

sind Sie bereits einmal nach Nürnberg gefahren, um „Containermöbel“ oder Dekoartikel zu kaufen? Würden Sie das als Arbeitnehmer für einen bestenfalls durchschnittlich bezahlten Job jeden Tag aufs Neue tun? Hätten Sie ein gutes Gefühl, wenn Sie im April Kenntnis über Ihren Jobverlust zum Dezember erhalten und unklar bleibt, wie 2019 für Sie beginnen wird? Würde sich dieses Gefühl verbessern, wenn Sie tägliche diese Strecke „für den neuen Pflichtjob“ auf sich nehmen sollten oder binnen recht kurzer Zeit etwas Neues finden müssen? Es ist heutzutage kein Geheimnis, dass für erfolgreiche Bewerbungen auch mal 2-3 Monate ins Land ziehen.

Trotz der Schließung wird Roller auch weiterhin seinen Expansionskurz fortführen – nur halt nicht in Wertheim.

Wer in diesem Geschäftsbereich tätig ist, kann das nur mit einer Masse an Kunden in städtischen Gebieten – oder muss für Werbung sorgen. Bereits in Miltenberg und Marktheidenfeld war schon nicht mehr jedem bewusst, dass ein Roller in Wertheim ortsansässig ist. Die nächsten Märkte befinden sich in Hanau und Würzburg. Das Gebiet, dass Roller Wertheim hätte abdecken müssen, wäre daher um ein deutliches größer gewesen. Das ist kein Fehler der Verkäufer, das ist ein Fehler des Managements. Ein Fehler, zu dem sich das Management, vertreten von Frau Wacker des PR/Social-Media-Teams in Gelsenkirchen, nicht äußern möchte.

Wenn darüber hinaus die Parkplätze zwar voll, die Kassen aber leer bleiben, dann ist das nicht die Schuld der Kunden oder die der einfach viel zu wählerischen Wertheimer und ebenso wenig die der Verkäufer. Dann ist das eine falsches Preisgefüge oder ein falsches Warenangebot, dass sich gerade in einer etwas dünner besiedelten Gegend besonders bemerkbar macht. Das, was Herr Mauz als Einkaufsgeschäftsführer beschaffen lässt, trifft also scheinbar nicht so ganz den Bedarf.

Verwundert es da wirklich, wenn man auf Rückfrage von einer Verkäuferin des Wertheimer Teams erfährt, dass sich das Management nicht für deren Vorschläge interessiert und man sich daher als Kunde selbst nach Gelsenkirchen wenden soll?

Ist es nicht noch verwunderlicher, dass gerade Frau Tessner, als Erbin des ganzen Imperiums und chefverantwortliche Leiterin des Bereichs Social Media, Facebook für die Kommunikation mit dem Kunden zwar „liebt“, die dortigen Beschwerden aber ebenso verklingen, wie die Vorschläge ihres eigenen Personals?

Da wundert es schlussendlich auch nicht weiter, dass man im Management der Roller-Verwaltung in Gelsenkirchen lieber klärt, ob man mit seiner Anfrage eventuell Interesse an den Liegenschaften ausdrücken möchte und im Gegensatz zum allgemeinen Kundenservice dann natürlich sofort erreichbar ist. Wahrscheinlich bildet man sich in Gelsenkirchen ein, dass man mit einem grandiosen Deal, Herrn Hans-Joachim Tessner als Inhaber des Roller-Konzerns, nochmal einen Bärendienst erweisen kann, wenn das unliebsame Objekt doch nochmals vergoldet wird.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist Roller bei etwa 150 Filialen angelangt.

Eine Anzahl, in der die Übersicht so verloren gegangen ist, dass man in Vorstandsbüros nur noch mit Powerpoint-Balken agiert, die keinerlei Ausdruck darüber haben, was eine ganze Region fordert. In Büros, in denen man so fernab jeglicher Realitäten ist, dass man sich für die Märkte in Würzburg und Nürnberg zur Kompensation entscheidet, statt zumindest einmal auf eine Landkarte zu sehen, auf der sich Würzburg und Hanau hätten ausmachen lassen MÜSSEN. Wer schonmal andere Roller Märkte besucht hat, der wird feststellen, dass deren umliegende Parkflächen um ein Vielfaches größer sind als das Parkangebot in Wertheim. Man war sich der Tatsache bei der Übernahme der Geschäftsräume des ehemaligen Möbelhauses Eitel sicherlich bewusst. 7 Jahre später hat man das alles vergessen.

In der Wirtschaft heißt es, dass man Führungskräfte etwa nach 4-5 Jahren an ihrer Effizienz gegenüber deren Vorgänger messen kann. Prüft man die Zugehörigkeit der aktuellen Geschäftsführung bei Roller, sollte jedem bewusst werden wo es da hakt. Während man in Wertheim nicht agieren durfte und nicht gehört wurde, leistete man sich in Gelsenkirchen Fehlentscheidung um Fehlentscheidung.

Und wieder sind sie da, die Fehler im Management mit den falschen Prioritäten, weil egal ist, welche unbekannten Menschen faktisch ihren Jobs verlieren, wieviel Einwohner nicht mehr versorgt werden können und wie sehr die Umwelt mehr belastet wird, wenn jeder seinen kleinen Bedarf in Würzburg deckt.

Natürlich wird Wertheim es überleben, wenn ein Möbeldiscounter verschwindet und durch etwas anderes ersetzt wird. Aber diese Schließung ist ein Zeichen für andere, attraktive Anbieter und damit auch Arbeitgeber des Einzelhandels. Wenn Roller es nach deren Ermessen nicht schafft, dann muss von einem längeren Leerstand ausgegangen werden, weil sich nicht viele mehr da ran trauen werden. DAS ist das schlechteste Zeichen für ganz Wertheim und die Region.

Vielleicht haben Sie das Glück Ihre Möbel im Markenhandel zu kaufen, dann werden Sie Roller sicherlich nur wenig vermissen. Vielleicht fahren Sie auch ohnehin öfters nach Würzburg und finden so ziemlich alles dort vor. Mir selbst ging es oft genug so.

Vielleicht haben Sie aber dennoch Kinder, die ihre erste Wohnung mit kleinerem Budget einrichten oder Sie haben nicht die Mittel, um den Preis zu einer Nebensache zu machen. Vielleicht möchten Sie gar keine teuren Möbel, weil Ihre Prioritäten woanders liegen. Vielleicht sind Sie aber auch nicht so mobil, um die weiten Reisen auf sich nehmen zu können. Vielleicht ist es auch nur Ihre Frau, die neue Einrichtung fordert und Roller das naheliegendste Geschäft ist, um schneller wieder zum langersehnten Feierabendbier zu gelangen. Mir ging es selbst so, dass Roller bei manchem völlig ausreichend war und die gewonnene Zeit, durch kürzere Wege, der viel größere Gewinn war.

Es gibt eine Menge Gründe, warum aufstehen und auf die Fehler des Roller-Managements hinzuweisen lohnend sein kann. Sei es auch nur, weil jemand im Freundes- oder Bekanntenkreis selbst vom baldigen Jobverlust betroffen ist. Oder deshalb, weil Sie beim letzten neugierigen Besuch nichts von der Untergangstimmung vernommen haben und trotzdem nett und freundlich empfangen wurden, wie man es in Wertheim nun einfach mal kann!

Vielleicht ist Ihnen aber auch nur peinlich als Roller-Kunde bekannt zu werden.

Wirklich vermissen tun wir alle etwas erst dann, wenn es nicht mehr da ist – dann ist es für gewöhnlich aber auch schon zu spät.

Völlig gleich, was Ihre Zurückhaltung zu diesem Thema begründet, als Wertheimer steht man für seine Region und es ist höchste Eisenbahn, sich jetzt dafür einzusetzen – gerade dann, wenn die Fehler so offensichtlich sind!

 

Florian K.

Wertheim , 11.05.2018

 

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