Doppelter Schub für die Wertheimer Innenstadt – Sparkasse plant Neubau – Bisheriger Standort wird Bürgerzentrum

So könnte der neue Komplex für Dienstleistung und Einzelhandel aussehen. Grafik: Stadt Wertheim

Die Sparkasse Tauberfranken wird ihre Wertheimer Filiale in der Rathausgasse an einen neuen Standort in der Bahnhofsstraße verlegen. Im Bahngelände soll bis Mitte 2020 ein zweiteiliger Neubau für Dienstleistung und Einzelhandel entstehen. Das gaben Bürgermeister Wolfgang Stein, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Peter Vogel und Privatinvestor Ralph Dostmann am Mittwoch in einem Pressegespräch im Rathaus bekannt. Das frei werdende Gebäude in der Altstadt soll ein gemeinsames Bürger- und Kundenzentrum von Stadtverwaltung und Stadtwerken werden. Der Gemeinderat hatte am Montag in nichtöffentlicher Sitzung dem Verkauf des Grundstücks in der Bahnhofstraße und dem Erwerb des Gebäudes Rathausgasse 9 zugestimmt. Am Dienstag gab der Verwaltungsrat der Sparkasse grünes Licht.

 

„Das ist ein wichtiger Meilenstein für Wertheim“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Stein. Das gesamte Vorhaben stelle eine zukunftsweisende Entwicklung der Innenstadt dar. Das neue Ansiedlungsprojekt soll auf der rund 3400 Quadratmeter großen Fläche zwischen Bahnhofstraße und Gleisanlagen realisiert werden. Das letzte städtische Grundstück, wie Stein erläuterte, erfahre mit der Kombination aus Dienstleistung, Einzelhandel und Gewerbe eine attraktive Nutzung. Es wird eigentumsrechtlich zwischen der Sparkasse einerseits und dem Investor Dostmann mit weiteren Nutzern andererseits aufgeteilt. „Die Stadtverwaltung ist immer bemüht, die für Wertheim passenden Lösungen zu finden. Das ist uns hier gelungen“, betonte der Bürgermeister.

 

Sparkasse investiert langfristig

 

Für das Projekt im Bahngelände sind zwei Bauteile geplant. Mit einer Gesamtnutzfläche von rund 1180 Quadratmeter soll auf vier Geschossen die neue Wertheim-Filiale der Sparkasse entstehen. Das zweite Bauteil umfasst je eine Filiale zweier bundesweit bekannter Einzelhandelsketten mit einer Gesamtnutzfläche von rund 470 Quadratmeter. Zusätzlich sind weitere Büro- und Dienstleistungsflächen vorgesehen.

 

Die Planung sieht gestaffelte Bauhöhen zwischen 4,90 und 15 Meter sowie 76 Pkw-Stellplätze vor. Durch die beiden Einzelhandelsfilialen entstehen acht bis zwölf zusätzliche Arbeitsplätze. Die 25 Beschäftigten der Sparkasse ziehen an den neuen Standort um. Das Investitionsvolumen für das Bauvorhaben liegt insgesamt bei mehr als sieben Millionen Euro. Nach der Grundsatzentscheidung des Wertheimer Gemeinderats und des Verwaltungsrats der Bank wollen Sparkasse und Dostmann nun zügig die Bauanträge einreichen.

 

Auf dieser Fläche zwischen Bahnhofstraße und Gleisanlagen soll die neue Wertheim-Filiale der Sparkasse entstehen. Foto: Stadt Wertheim

 

„Wir wollen in Wertheim investieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Tauberfranken Peter Vogel. Reifliche Überlegungen seien den einstimmigen Entscheidungen der Verwaltungsgremien der Bank zugunsten eines Neubaus in der Bahnhofstraße vorausgegangen – „weil es eine langfristige Investition sein soll“, wie Vogel betonte. Schließlich stelle die Main-Tauber-Stadt einer der wichtigsten Standorte der Sparkasse Tauberfranken dar. Das bisherige Gebäude in der Rathausgasse, Hauptsitz des Unternehmens für den Bereich Wertheim, sei zu begrenzt für Modernisierungen im Sinne des Kreditinstituts. Deshalb habe man einen neuen dauerhaften Standort gesucht, der auch einen Mehrwert für die Kunden biete, so Vogel.

 

Nach Gesprächen mit der Stadt und der Familie Dostmann ist schließlich auf der anderen Tauberseite mit dem Bahngelände der ideale Platz gefunden worden. Durch die Vermittlung der Stadtverwaltung wird aus dem geplanten Neubau nun ein ganzer Komplex: Die Fläche ist groß genug, um die Sparkassennutzung mit Einzelhandelsansiedlungen zu kombinieren, für die in der kleinteilig strukturierten Altstadt kein Platz ist.

 

„Wir sehen das Konzept als sehr gute Ergänzung“, sagte der Investor Ralph Dostmann. „Es ist ein gelungenes Paket.“ Er erläuterte, dass es sich zwar um zwei getrennte Bauvorhaben handele, man sich in der Umsetzung aber sehr eng mit der Sparkasse abstimme. Das Ergebnis werde für die ganze Bahnhofstraße eine Bereicherung sein. Dostmann hob zudem die zentrale Lage hervor, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sei. „Es ist eine Win-win-Situation für Stadt und Sparkasse – und auch für uns“, fasste Dostmann zusammen.

 

Zeitgemäßes Bürger- und Kundenzentrum

 

Auf den bisherigen Filialstandort der Sparkasse soll dann ein gemeinsames  Bürger- und Kundenzentrum von Stadtverwaltung und Stadtwerken nachfolgen. „Wir wollen ein zeitgemäßes, bürgerfreundliches und bürgernahes Dienstleistungsangebot“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Stein. Die Innenstadt werde neben dem neuen Komplex in der Bahnhofstraße auch mit diesem Frequenzbringer erheblich gestärkt und attraktiver. Die Sparkasse betreibe zudem weiterhin in dem Gebäude einen Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker. Damit bleibe eine für Bürger wie auch Touristen wichtige Dienstleistung in der Altstadt erhalten, stellte Stein heraus.

 

Das frei werdende Gebäude in der Rathausgasse soll ein gemeinsames Bürger und Kundenzentrum von Stadtverwaltung und Stadtwerken werden. Foto: Stadt Wertheim

 

Die Folgenutzung bietet für Stadtverwaltung und Stadtwerke viele Vorteile. So könne der Wertheimer Energieversorger die Kundennähe erhöhen, seine Beratungs- und Serviceangebote verbessern und auch unter Marketinggesichtspunkten stärker wahrgenommen werden, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Beier erläuterte.

 

Was die Ausgangslage der Stadtverwaltung betrifft: Das Rathaus in der Mühlenstraße ist seit 1992 Verwaltungszentrum der Stadt Wertheim. Im Laufe der Zeit seien mehr Aufgaben und damit auch mehr Mitarbeiter hinzugekommen, führte Bürgermeister Stein aus. Als familienfreundlicher Arbeitgeber gebe es zudem eine hohe Teilzeitquote. Dadurch seien mehr Büroflächen notwendig. Besonders nachteilig wirke sich die beengte Situation im Bürger-Service-Zentrum aus. Vertrauliche Gespräche seien etwa nur eingeschränkt möglich. Durch die hochwassergefährdete Lage im Erdgeschoss sei das Service-Zentrum außerdem anfällig für einen Ausfall der wichtigsten Dienstleistungsangebote der Verwaltung. In allen diesen Punkten soll die geplante Lösung deutliche Verbesserungen bringen.

 

Wie Wolfgang Stein weiter erläuterte, werde voraussichtlich eine städtische Gesellschaft das Sparkassengebäude erwerben. Die Nachfolgenutzung erfordere vor allem bauliche Veränderungen in Sachen Barrierefreiheit und eine Umgestaltung des Schalterraums. Für die Sanierung seien Investitionen zwischen anderthalb und zwei Millionen Euro veranschlagt. Davon sollen 700.000 Euro mit Fördermitteln finanziert werden. Nach ersten Gesprächen mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums könne die Verwaltung mit Geld aus dem Städtebauförderprogramm rechnen.

 

Der Baubeginn soll voraussichtlich bis Mitte 2019 erfolgen. Der Start für die Einzelhandelsflächen und die neue Bankfiliale strebt man für Mitte 2020 an. Das Bürger- und Kundenzentrum in der Altstadt soll etwa ein Jahr später fertiggestellt sein. Der Zeitplan sei zwar straff, so Stein. „Für uns ist es aber ein Ansporn, das Vorhaben zeitnah umzusetzen“ erklärte er. Sparkassen-Vorstandschef Peter Vogel stellte fest: „Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an.“

Quelle : Wertheim.de

Bildergalerie FotoShooting – Making of – mit Hardy Krüger junior und BMW designten Denim Bike im Wertheim Village , 14.09.2017