Es ist Zeit, zu gehen – Joachim Löw hat es nicht geschafft -Von Felix Kronawitter

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Mittelbayerische Zeitung: Es ist Zeit, zu gehen – Joachim Löw hat es nicht geschafft, aus starken Spielern eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Dafür muss er die Verantwortung übernehmen. Von Felix Kronawitter

Regensburg (ots) – Profifußballer sind wahrlich nicht bekannt dafür, bei den sogenannten Field-Interviews mehr als Worthülsen von sich zu geben. Nach dem erschreckend schwachen WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft war das aber anders. Marco Reus hatte sich verplappert: Bereits im Trainingslager habe ihm Löw mitgeteilt, dass er nicht von Anfang an spielen würde, „weil wir davon ausgehen, dass das Turnier sehr lang geht und ich vor allem in den wichtigen Spielen…“ Dann stoppte er und ruderte zurück. Ob ihm die Tragweite seiner Aussage plötzlich gewusst worden war oder ob ein wild gestikulierender Pressesprecher des DFB ausschlaggebend war für die Kehrtwende, ist leider nicht überliefert. Der Bundestrainer hatte es nicht für möglich gehalten, die rund 82 Millionen Bundestrainer und Bundestrainerinnen hierzulande auch nicht: Der Weltmeister verabschiedet sich aus Russland. Und das bereits nach der Vorrunde – eine historische Premiere für eine deutsche Auswahl. Das sitzt! Joachim Löw hat es nicht geschafft, aus einem illustren Kreis aus starken Spielern eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Wenn ab Samstag in der K.o.-Phase die Musik spielt, sind die Deutschen nur mehr Zuschauer. Und dafür muss der Bundestrainer die Verantwortung übernehmen. Nach zwölf Jahren Löw-Ära braucht es einen Neuanfang. Wenn eine DFB-Auswahl in einer eigentlich dankbaren Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea verdient ausscheidet, ist ein neuer Impuls auf der Cheftrainerposition alternativlos. Ein WM-Titel, drei Halbfinalteilnahmen und ein weiteres Finale. Löws Bilanz ist zweifelsohne imposant bei Welt- und Europameisterschaften. Im Nachhinein wird er sich aber vielleicht selbst vorwerfen, den Absprung nicht rechtzeitig geschafft zu haben. In den drei Vorrunden-Partien hat Löw insgesamt 20 verschiedene Akteure eingesetzt. Nach der Pleite gegen Mexiko hatte er gegen Schweden vier Neuen sein Vertrauen geschenkt. Gegen Südkorea kredenzte er gleich einen frischen Fünferpack. Das ist der beste Beleg dafür, dass er eine weltmeisterliche Formation einfach nicht gefunden hat. Gegen Mexiko war Deutschland noch mit weltmeisterlichem Übermut angetreten. Eine Ausrichtung, die sprachlos macht. Mit seinem Offensivwahn hat Löw die defensive Stabilität riskiert. „Offense wins Games, Defense wins Championships“, heißt es immer so schön. Letztlich haperte es in allen Bereichen. Dabei hätten die Alarmglocken schon nach der miserablen Vorbereitung schrillen müssen. Denn die Probleme, die gegen Österreich und Saudi-Arabien offenkundig wurden, zogen sich durchs Turnier. Am Ende reichte es nur zu einem Zittersieg gegen Schweden. Nachdem den deutschen Angreifern die Durchschlagskraft gefehlt hatte, musste ein nicht unhaltbarer Freistoß in der Nachspielzeit herhalten. Im ersten Duell noch mit zu breiter Brust angetreten, hatten die DFB-Kicker gegen Südkorea letztlich die Hosen voll. Das historische WM-Aus vor Augen, war nicht mehr viel zu sehen vom weltmeisterlichen Selbstbewusstsein. Um Spiele, in denen es einfach nicht läuft, rumzureißen, braucht es Führungsspieler. Typen wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm wurden aber nicht adäquat ersetzt. Ein Toni Kroos, ein Sami Khedira oder ein erschreckend blasser Thomas Müller haben es nicht geschafft, diese Lücken zu füllen. In Russland stand nur ein Leader auf dem Platz: Manuel Neuer. Doch der konnte nur bedingt Einfluss nehmen auf seine Vorderleute. Angetreten fast ohne Spielpraxis, war der Keeper der einzige deutsche Lichtblick. Eines ist auch in der bitteren Stunde schon gewiss: Die deutsche Auswahl wird beim nächsten großen Turnier in zwei Jahren sowohl personell als auch fußballerisch ein ganz anderes Gesicht zeigen.

 

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