Grafschaftsmuseum Wertheim : „Luther-Abteilung“ neu gestaltet – Bleibender Beitrag zum Reformationsjubiläum

Foto : Grafschaftsmuseum

„Luther-Abteilung“ im Museum neu gestaltet

Bleibender Beitrag zum Reformationsjubiläum

Ein Raum der konfessionellen Abteilung im Grafschaftsmuseum ist nun der Reformation gewidmet. Das Foto zeigt (von links) Museumsleiterin Stefanie Arz, Bürgermeister Wolfgang Stein und Museumsdirektor a.D. Dr. Jörg Paczkowski. Foto: Stadt Wertheim

Aus Anlass des Reformationsjubiläums hat das Grafschaftsmuseum einen Raum komplett neu gestaltet. Als Teil der konfessionsgeschichtlichen Abteilung des Hauses ist nun ein Bereich der Reformationsgeschichte der Grafschaft und der Geschichte der Stiftskirche gewidmet. Am Freitag stellten Bürgermeister Wolfgang Stein Museumsleiterin Stefanie Arz und ihr Team den neuen Raum der Presse vor. Auch Dr. Jörg Paczkowski nahm daran teil; er hat die Neukonzeption als früherer Museumsleiter noch maßgeblich mitentwickelt.

„Das Grafschaftsmuseum liefert damit einen bleibenden Beitrag zum Reformationsjubiläum“, freute sich Bürgermeister Stein bei der Vorstellung. Die Erneuerung der Abteilung begann mit der Teilrestaurierung der Wände im Haus zu den vier Gekrönten, die historische Wandmalereien aus dem 18. und 19. Jahrhundert tragen. Nun werden hier Bibeln, Gesangbücher und Schriften präsentiert, aber auch liturgisches Gerät aus der evangelischen Grafschaft. Die Museumsmitarbeiterinnen Ursula Wehner und Dr. Constanze Neuendorf haben neue Wandtexte konzipiert, die Gestaltung übernahm Grafikerin Margitta De Long.

Die Wertheimer Bibel aus dem Jahr 1735 – eine Leihgabe aus Privatbesitz. Foto: Stadt Wertheim

Eine Vitrine zeigt die so genannte Wertheimer Bibel. Das sehr seltene Exemplar ist eines von drei in Wertheim publizierten Bibeldrucken. Es wurde 1735 herausgegeben und dem Grafschaftsmuseum als Leihgabe aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Daneben ist das Wertheimer Gesangbuch zu sehen, das eine der ältesten Ansichten der Stadt enthält.

Ausgestellt sind auch eine ganze Reihe von Familienbibeln – Geschenke und Leihgaben aus Privatbesitz.. Man sieht ihnen an, dass sie oft zur Hand genommen wurden. In den Familienbibeln finden sich handschriftlich eingetragene standesamtliche Daten wie Geburten, Taufen und Todesfälle. Sie galten als Statussymbol auf dem Land wie in der Stadt.

Eine weitere Vitrine lenkt den Blick auf Lutherjubiläen der vergangenen Jahrhunderte. Besonders im 19. Jahrhundert brach ein wahrer Lutherboom aus, und zahlreiche Luther-Darstellungen wurden als erschwinglicher Wandschmuck in Form von Luther-Porträts oder Szenen aus Luthers Leben verkauft.

Ein Porträt ist Barbara Gräfin von Wertheim (1529-1561) gewidmet. Sie war die Frau von Georg II, der in Wertheim die Reformation einführte. Nach dessen Tod 1530 übernahm sie die Vormundschaftsregierung für ihren Sohn Michael III. Sie führte die Reformationsbestrebungen weiter, gründete das Chorstift und reformierte das Wertheimer Schulwesen. Eine Fahne zeigt ihr Porträt, wie es auf ihrem Grabmal in der Stiftskirche zu sehen ist. Für die fotografische Aufarbeitung sorgte Kurt Bauer.

Das Reformationsjubiläum wird in der alten Grafschaft mit dem Programm „Das Lutherjahr in und um Wertheim (3,2 MB)“ gefeiert wird. Die grenzüberschreitende Reihe umfasst rund 40 Veranstaltungen und dauert bis Ende Oktober 2017. Im Mittelpunkt steht Wertheim, Trägerin des Prädikats “Europäische Stadt der Reformation“.