Handball : HSV Main-Tauber Molten Cup Runde zwei – Sporthalle Ost Bayreuth Final Four

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1. Halbfinale: Haspo Bayreuth 19:22 MTV Stadeln (8:8)
2. Halbfinale: HSV Main-Tauber 24:22 HC Sulzbach-Rosenberg (11:11)
Finale: MTV Stadeln 29:31 HSV Main-Tauber (12:11)

Nach Abpfiff des Finales konnten es die Spieler des HSV Main-Tauber immer noch kaum glauben. Als krasser Außenseiter fuhr man zur zweiten Runde des Molten-Cups nach Bayreuth, in Erwartung dass es wohl die Endstation im mit Landes- und Bayernligisten gespickten Turnier ist. Doch es kam anders.
Im Halbfinale traf man zunächst auf den Landesligsten HC Sulzbach-Rosenberg, welcher nahezu in Bestbesetzung antrat. Im Vergleich dazu hatten die Wertheimer deutlich größere Probleme, was die Aufstellung angeht. Einzig ein nomineller Ersatzspieler für das Feld stand auf dem Spielberichtsbogen. So musste zeitweise sogar Rückkehrer Matthias „Sam“ Meckelein, seines Zeichens Torwart, im Feld spielen. Aus diesem Grund reagierte Spielertrainer Konrad Michel und schickte sein Team mit ungewohnter Taktik auf die Platte. Statt dem üblichen Tempospiel, welches in Runde eins gegen die TG Heidingsfeld exellent funktionierte, setzte man diesmal auf Spielkontrolle. Man wollte den Ball möglichst lange halten und nur schnell nach vorne spielen wenn sich eindeutige Gelegenheiten dafür boten. Dies war aufgrund der Personalsituation und der konditionellen Unterlegenheit gegen die höherklassigeren Teams zwingend notwendig. Vor allem im Hinblick darauf, dass bei einem Halbfinalerfolg das mögliche Finale nur eine halbe Stunde später angepfiffen wird. Der HSV startete gut in die erste Partie und führte nach 17 Minuten mit 7:4. Ausschlaggebend hierfür war vorallem die während des gesamten Turniers von allen Torhütern überragende Leistung. Zudem agierten alle Akteure sehr konzentriert und machten kaum Fehler. Doch der HC bewies seine individuelle Klasse und holte diesen Rückstand recht schnell auf. Letztlich ging es mit einem zu diesem Zeitpunkt gerechten 11:11 in die Kabinen. Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie eng. Durch eine geschlossene Mannschaftsleistung konnte der Bezirksligaaufsteiger aus Wertheim den Qualitätsunterschied gegen die zwei Ligen höher spielenden Sulzbacher ausgleichen. Die Führung wechselte oft, ehe zehn Minuten vor Schluss ein Remis auf der Anzeigetafel zu sehen war. Nun war endgültig die Crunchtime angebrochen. Durch einen Treffer in Unterzahl konnte der Underdog mit 22:20 in Führung gehen. Doch Sulzbach blieb weiter dran und konnte eine Minute vor Schluss auf ein Tor verkürzen. Nun galt es für den HSV die Nerven zu bewahren und dies taten sie auch. Man versuchte clever, möglichst viel Zeit von der Uhr zu nehmen, ehe Konrad Michel mit seinem Treffer zum 24:22, 14 Sekunden vor Schlusspfiff für die Entscheidung sorgte. Schon jetzt konnten die Wertheimer wahnsinnig stolz auf das Erreichte sein, jedoch war man nach dem Überraschungssieg erst recht heiß auf das Finale. Dort wartete der Bezirksoberligist MTV Stadeln, welcher die mit der Reserve angetretenen Gastgeber ausschaltete. Zeit zum regenerieren blieb den Wertheimern keine. Das kräftezehrende Halbfinale war dem HSV zu jedem Zeitpunkt anzumerken und so wurde man gerade zu Beginn gnadenlos ausgekontert. Dennoch gelang es Stadeln nie sich wirklich abzusetzen. Man blieb stets in Schlagdistanz und konnte selbst einen 10:6 Rückstand in der 20. Minute bis zur Pause auf 12:11 verkürzen. Der Außenseiter kam stark aus der Kabine und konnte mit 13:16 in Führung gehen, jedoch schaffte man es auch nicht sich selbst abzusetzen. Langsam aber sicher brach nun die heiße Schlussphase an. Die Michel-Truppe ging mittlerweile auf dem Zahnfleisch, dies erkannte der MTV und stellte auf eine offensive Manndeckung um. Dieses riskante Manöver sollte letztlich fehlschlagen. Denn die Aussicht auf die Sensation gab den Wertheimern die zweite, oder zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon dritte Luft. Mittlerweile kam man nur noch über Kampf und Wille und in diesen Gebieten, hatte man den höherklassigen Teams an diesem Tag definitiv etwas voraus. Mit dem Treffer zum 28:31 kurz vor Ende war das Spiel zu Gunsten der Wertheimer gelaufen. Die Spieler lagen sich ausgelassen in den Armen, hatte doch keiner mit diesem Erfolg gerechnet. Damit steht der HSV Main-Tauber unter den letzten 12 Mannschaften des bayernweit ausgespielten Molten-Cups. Wer in der nächsten Runde, welche noch nicht genau terminiert ist, wartet wird noch ausgelost. Fest steht das man wieder krasser Außenseiter wird. Doch dass diese Rolle dem HSV liegt, dürfte spätestens jetzt allen kommenden Gegnern klar sein. Trainer Konrad Michel war nach dem Spiel der Stolz auf seine Mannschaft anzusehen:“ Ich muss dem Team meinen größten Respekt zollen. Keiner hätte gedacht, dass wir hier etwas mitnehmen können, gerade weil uns einige Spieler gefehlt haben. Doch wie wir das mit Kampf und Leidenschaft kompensiert haben war der Wahnsinn. So etwas habe ich selten erlebt. Der Pokal hat eben doch seine eigenen Gesetze.“

Es spielten und trafen im Halbinale gegen Sulzbach:
Benedikt Schack (Tor); Maximilian Schack (Tor); Matthias Meckelein (Tor/Feld); Kevin Kunzmann 5; Konrad Michel 5/1; Luis Eichelbrönner 4; Danijel Lejic 4; Daniel Wießler 3; Julian Enzfelder 2; Jonathan Witt 1

Es spielten und trafen im Finale gegen Stadeln: Benedikt Schack (Tor); Maximilian Schack (Tor); Matthias Meckelein (Tor/Feld); Kevin Kunzmann 12/4; Konrad Michel 5; Daniel Wießler 4; Danijel Lejic 4; Luis Eichelbrönner 2; Julian Enzfelder 2; Jonathan Witt 2

 

Marcel Michel

 

Bilder Autofreier Sonntag in Wertheim 02.08.2015