„Hannibals“ Verein Uniter e.V. organisierte militärisches Kampftraining – Rechtsextremes Netzwerk mit Mitgliedern aus Bundeswehr und Polizei

GidonPico / Pixabay Symbolbild

Berlin (ots) – Ein Verein, der durch die Ermittlungen rund um ein mögliches rechtsextremes Netzwerk mit Mitgliedern aus Bundeswehr und Polizei aufgefallen ist, arbeitet am Aufbau eines bewaffneten Kommandos. Wie taz-Recherchen ergeben, hat mindestens eine Übung einer Einheit namens „Defence“ von Uniter e.V. stattgefunden, bei der Vereinsmitglieder mit Waffen trainierten.

Während eines als Ersthelfer-Training angemeldeten Workshops des Vereins Ende Juni 2018 führte demnach eine Gruppe von Männern in einem entlegenen Teil des Trainingsgeländes separate Kampftrainings durch, sie haben dabei mit Gewehren geübt, die sie auch nach Ende der Ausbildungseinheit bei sich trugen.

Der Verein teilt auf Anfrage mit, bei dem Defence-Training habe es sich um ein Selbstverteidigungstraining gehandelt, bei dem an Waffen geübt wurde. Dabei soll es sich allerdings um Attrappen gehandelt haben.

Der Betreiber des Trainingsgeländes wandte sich im Nachgang des Trainings in einem Brief an das baden-württembergische Innenministerium und untersagte Uniter e.V., das Trainingsgelände weiter zu nutzen.

Das Training war von einem ehemaligen Soldaten des Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK), André S, angeleitet worden. Dieser ist laut Vereinsregister stellvertretender Vorsitzender von Uniter e.V. in Stuttgart und hat unter seinem Pseudonym Hannibal die sogenannten Prepper-Chat-Gruppen administriert. Darin bereiteten sich Menschen auf den „Tag X“ vor. Nach Informationen der taz gibt es personell und strukturell große Überschneidungen zwischen Chatgruppen und dem Verein. In beidem sind sowohl KSK-Soldaten als auch Polizisten.

In einer dieser Chat-Gruppen war Franco A. Mitglied, den der Generalbundesanwalt wegen „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ angeklagt hat. Gegen zwei Mitglieder einer Chatgruppe aus Mecklenburg-Vorpommern wird noch ermittelt.

Mehrere eingetragene Vorstandsmitglieder von Uniter e.V. distanzieren sich von dem Stuttgarter Verein. Ein stellvertretender Vorsitzender sagte der taz, er sei bereits Anfang 2017 zurück- und aus dem Verein ausgetreten. „Ich durchschaue das nicht mehr“, sagt der Mann, der anonym bleiben möchte, der taz. „Ich will nicht dafür haftbar gemacht werden.“

Der Verein Uniter e.V. wollte auf taz-Anfrage nicht mitteilen, wer aktuell im Vorstand ist.

 

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