Hitzestress für Eisbären in Zoos: PETA fordert Eisbären-Verbot für zoologische Einrichtungen

 

Stuttgart, 6. August 2015 – Angesichts der anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 39 Grad macht PETA Deutschland e.V. auf die qualvolle Situation der Eisbären in Zoos aufmerksam. Die Tierrechtsorganisation appellierte diese Woche in einem Schreiben an den Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), die Eisbärenhaltung auslaufen zu lassen. Die sengende Hitze kann eine unmittelbare Lebensbedrohung für die Kälte liebenden Polarbären darstellen: 2012 starb Eisbär ‚Winner‘ im Zoo von Buenos Aires an Hitzestress – die Temperaturen betrugen 35 Grad. Zusätzlich zur Hitze leiden die rund 30 Eisbären, die noch in 13 Zoos in Deutschland gehalten werden, unter den mangelhaften Haltungsbedingungen. Weil die Zoogehege nicht annähernd das Bewegungs- und Wanderbedürfnis der Tiere befriedigen können, entwickeln viele der Tiere schwere Verhaltensstörungen. Die seelische Erkrankung zeigt sich bei nahezu allen Eisbären in Gefangenschaft anhand ständig wiederholter Bewegungsabläufe, sogenannter Verhaltensstereotypien. Weil Eisbären aufgrund dieser Zwangsstörungen nicht durch Auswilderung in die Freiheit entlassen werden können, fordert PETA von der Bundesregierung, die Zoohaltung mittels eines Nachzucht- und Importverbots mittelfristig auslaufen zu lassen.

 

„Eisbären sind perfekt angepasst an ein Leben bei zweistelligen Minustemperaturen im ewigen Eis. Die Tiere in Deutschland in kleinen Gehegen zu halten, ist Tierquälerei“, sagt Wildtierexperte Peter Höffken, Fachreferent bei PETA Deutschland e.V. „Die Verantwortlichen nehmen das immense seelische und körperliche Leid der Tiere in Kauf, weil insbesondere der niedliche Nachwuchs als Publikumsmagnet herhalten muss.“

Durch eine bis zu elf Zentimeter dicke Fettschicht, eine fünf Zentimeter dicke Unterwolle und bis zu 15 Zentimeter lange Haare sind Polarbären vor eisiger Kälte geschützt. Eisbärenforscher bestätigen, dass sich die Tiere bei großer Hitze nicht wohlfühlen und sogar an Hitzestress leiden können [1]. Eine umfangreiche Eisbären-Studie, die PETA zwischen 2008 und 2010 erstellte, belegt, dass über 85 Prozent der Eisbären in deutschen Zoos unter teilweise schweren Verhaltensstörungen leiden. In freier Natur legen Eisbären jeden Tag bis zu 100 Kilometer zurück. Selbst namhafte Wissenschaftler wie Prof. Dr. Hanno Würbel von der Universität Zürich sowie Zoodirektoren wie der Frankfurter Direktor Prof. Dr. Manfred Niekisch vertreten die Auffassung, dass Eisbären in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, weil die Diskrepanz zwischen den Bedingungen in ihrem natürlichen Lebensraum und denen im Zoo zu groß ist. [2] PETA appelliert an alle Tierfreunde, sich an einer Online-Petition an das zuständige Bundesministerium für ein Auslaufen der Haltung von Eisbären in Gefangenschaft zu beteiligen.

[1] Tiergarten Nürnberg: „Überleben in der Arktis (IV) Überhitzung“, Online unter: http://tiergarten.nuernberg.de/zoowissen-co/arten-und-naturschutz/eisbaeren/ueberleben-in-der-arktis-iv.html [2] „Punkten ohne Eisbär-Rummel“, in: Frankfurter Rundschau vom 13. Mai 2008. Online unter: www.fr-online.de/spezials/frankfurter-zoo-punkten-ohne-eisbaer-rummel,1472874,2782166.html

Weitere Informationen:
PETA.de/Eisbaeren
PETA.de/ZooIrrtuemer