„Katastrophale Arbeitsbedingungen“ in der Fleischbranche – Moderne Sklaverei – Kommentar von Lothar Schmalen

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Bielefeld (ots)

Karl-Josef Laumann ist für seine soziale Grundüberzeugung bekannt. Jetzt hat der NRW-Arbeitsminister den Finger in eine Wunde gelegt, die trotz vieler Lippenbekenntnisse der Politik in den vergangenen Jahren nach wie vor stark blutet. Über Werksverträge mit Subunternehmen werden in der Fleischindustrie tausende von Arbeitnehmern hemmungslos ausgebeutet. Und die Ausbeutung droht längst auf andere Branchen, etwa die der Paketauslieferer, überzugreifen. Dabei beschränken sich die Missstände nicht nur auf die Arbeitsbedingungen. Auch die Wohnverhältnisse der oft aus Rumänien, Polen oder Bulgarien stammenden Werkvertragsarbeiter sind häufig prekär und manchmal mehr als das. Kommunen wie Rheda-Wiedenbrück (hier sind 5.400 von 48.500 Einwohnern Rumänen, Bulgaren oder Polen) oder Herzebrock-Clarholz (1.155 Rumänen, Bulgaren oder Polen bei insgesamt 16.700 Einwohner) können davon ein Lied singen. Unter die Zuständigkeit der Arbeitsschutz-Kontrolleure fallen die Wohnungen aber nur, wenn sie Werkswohnungen sind. Werden die südosteuropäischen Wanderarbeiter, die von manchen Sozialwissenschaftlern längst als die modernen Sklaven unserer Zeit bezeichnet werden, in Privatwohnungen untergebracht, haben die Arbeitsschutz-Kontrolleure keinen Zutritt. Minister Laumann hat recht, wenn er sagt, dass der Staat hier lange weggeschaut hat. Mit mehr Betriebskontrollen und Hilfsangeboten für die Ausgebeuteten versucht er nun, der Missstände Herr zu werden. Die Aussichten dafür aber sind eher gering. Oftmals wehren sich die Betroffenen nicht gegen die Ausbeutung, weil der schlechte Lohn, den sie von den Subunternehmern der Fleisch-Industrie erhalten, immer noch besser ist als der Lohn in ihren Herkunftsländern. Und die Strafen, die den Unternehmen drohen, zahlen diese meist aus der Portokasse. Um wirklich an die Wurzel des Übels zu gelangen, muss der rechtliche Rahmen für die Beauftragung von Subunternehmen enger gefasst werden. Denn es kann nicht sein, dass die Fleischunternehmer weiter die Verantwortung für untragbare Arbeitsverhältnisse auf die Subunternehmen abschieben können, obwohl sie finanziell davon ebenso profitieren wie die Subunternehmen selbst.

 

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