Landgericht Mosbach : Der durch Wertheim rasende Drogendealer zu 8 jahren Haft verurteilt

Terminsergebnis

Datum: 23.03.2017

Kurzbeschreibung: Strafverfahren vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Mosbach am 23.03.2017, um 9.00 Uhr wegen vorsätzlichen bewaffneten unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit Fahren ohne Fahrerlaubnis

 

Der Angeklagte wurde wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unter Mitsichführens eines gefährlichen Gegenstands in Tateinheit mit Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Tateinheit mit fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren verurteilt. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wurde angeordnet.

Der Haftbefehl bleibt in Vollzug.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung des Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beantragt.

Die Verteidigung hatte beantragt, an das Mindeststrafmaß von 5 Jahren heranzugehen

Das Urteil ist rechtskräftig.

Anlage: Pressemitteilung vom 13.03.2017

Anlage: Der 33-jährige Angeklagte deutscher Staatsangehörigkeit habe am 23.07.2016, gegen 13.52 Uhr, mit einem Audi A6 die Bundesautobahn 3 von Frankfurt am Main kommend in Fahrtrichtung Würzburg befahren, ohne eine Fahrerlaubnis zu besitzen. Weil das Kennzeichen des Pkws wegen Diebstahls zur Eigentumssicherung ausgeschrieben gewesen sei, habe eine Polizeikontrolle an der Anschlussstelle Wertheim erfolgen sollten. Zwar habe der Angeklagte den von ihm geführten Wagen anweisungsgemäß bis zum Stillstand abgebremst, sei aber dann in Richtung Wertheim geflüchtet.

Auf der sich anschließenden, etwa 15 km langen Verfolgungsfahrt sei es zu folgenden Tathandlungen gekommen:

Weil das Heck des vom Angeklagten geführten Audi unkontrolliert in unmittelbarer Nähe an einem stehenden Kleinwagen vorbeigeschleudert sei, sei dieser gefährdet worden. Kurz vor der Ortschaft Urphar habe der Angeklagte auf der L 2310 einen vor ihm fahrenden Pkw mit einer Geschwindigkeit von mindestens 190 km/h überholt. Hierbei habe es nur vom Zufall abgehangen, dass es zu keinem Frontalzusammenstoß mit einer auf der Gegenfahrbahn entgegenkommenden Gruppe von Rennradfahrern gekommen sei. Beim Abbiegen auf die K 2878 und L 2310 hätten Fahrer zweier Fahrzeuge stark abbremsen müssen, um den Zusammenstoß zu vermeiden. Nachdem der Angeklagte im weiteren Verlauf mit mindestens 200 km/h in das Ortsgebiet Eichel eingefahren sei, habe auf Höhe der Würzburger Straße 71, vor dem Restaurant „Millers“ ein Zusammenstoß mit zwei Kindern nur aufgrund des schnellen Eingreifens der anwesenden Erwachsenen verhindert werden können.

Auf Höhe des Restaurants „Millers“ habe der Angeklagte einen Stoffbeutel aus dem Fenster seines Fahrzeugs geworden. In dem Stoffbeutel habe der Angeklagte 487 Gramm Haschisch sowie 504 Gramm Amphetamin zum gewinnbringenden Weiterverkauf in seinem Besitz gehalten. Das Haschisch habe einen Tetrahydrocannabinol-Gehalt von mindestens 15,11 %, das Amphetamin einen Amphetaminbasegehalt von mindestens 7,29 % gehabt. Dem vom Angeklagten mitgeführten Haschisch lagen somit mindestens 73,58 Gramm verfügbares THC, dem Amphetamin mindestens 36,74 Gramm Amphetaminbase zugrunde. Weiterhin habe der Angeklagte in der Ablage der Mittelarmlehne griffbereit ein Klappmesser mit einer Klingenlänge von 8,5 cm mit sich geführt. Dieses Messer sei objektiv dazu geeignet und bestimmt, seiner Art nach Verletzungen von Personen herbeizuführen, was dem Angeklagten bewusst gewesen sei.  

Das Rauschgift habe der Angeklagte von einem bislang unbekannten Hintermann am oder kurz vor dem 23.07.2016 übergeben erhalten, um es auf einem Festival in Würzburg gewinnbringend an unbekannte Dritte weiter zu veräußern.

Nachdem der Angeklagte den Stoffbeutel aus dem Fenster geworfen gehabt habe, sei er weiter mit Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h in die Ortsmitte von Wertheim geflohen, mindestens zwei Lichtzeichenanlagen mit Rotlicht ignorierend. Auf der Odenwaldbrücke habe der Angeklagte aufgrund des dichten Verkehrs, der hohen Geschwindigkeit und in Ermangelung weiterer Ausweichmöglichkeiten sein Fahrzeug nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen können und sei einem BMW aufgefahren. Bei alledem habe der Angeklagte durch seine rücksichtslose und grob verkehrswidrige Fahrweise die Gefährdung von Leib und Leben anderer Personen sowie die Gefährdung von Sachen von bedeutendem Wert zumindest billigend in Kauf genommen.

Eine beim Angeklagten am 23.07.2016 um 14:20 Uhr durchgeführte Blutkontrolle ergab eine Tetrahydrocannabinol-Konzentration von 4,27 ng/ml.

Insgesamt sei ein Sachschaden von mindestens 22.900 Euro entstanden.

Der Angeklagte habe,

  1. a) vorsätzlich unerlaubt mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge Handel getrieben und dabei eine Schusswaffe oder sonstige Gegenstände mit sich geführt, die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind,
  2. b) im Straßenverkehr grob verkehrswidrig und rücksichtslos die Vorfahrt nicht beachtet, falsch überholt oder sonst bei Überholvorgängen falsch gefahren, an unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen zu schnell, an unübersichtlichen Stellen nicht die rechte Seite der Fahrbahn eingehalten und auf AutobahnenoderKraftfahrstraßenentgegenderFahrtrichtunggefahrenunddadurchLeiboderLebeneinesanderenMenschenoderfremdeSachenvonbedeutendemWertgefährdet,
  3. c) einKraftfahrzeuggeführt, obwohlerdiedazuerforderlicheFahrerlaubnisnichtgehabt habe,

Der Angeklagte befindet sich aufgrund Haftbefehls des Amtsgerichts Mosbach vom 24.07.2016 in Haft, seit dem 26.07.2016 in der JVA Schwäbisch Hall. 

Der Angeklagte gilt bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.

Die Große Strafkammer ist mit dem Vizepräsidenten des Landgerichts Dr. Ganter, zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen besetzt.

Zum Termin sind 7 Zeugen und 1 Sachverständige geladen.

 

Landgericht Mosbach

 

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