Main-Tauber-Kreis : Experten Fachtagung für Pflegeeinrichtungen im Landratsamt

Fortbildungsveranstaltung "Freiheitsentziehende Maßnahmen" Quelle : Main-Tauber-Kreis.de

So viel wie nötig, so wenig wie möglich lautete unisono das Kredo der drei vortragenden Experten zu freiheitsentziehenden Maßnahmen.

Dr. Alexander Jörg, Direktor des Amtsgerichts Tauberbischofsheim, stellte die haftungsrechtlichen Aspekte bei freiheitsentziehenden Maßnahmen dabei in den Fokus. Dr. Alexander Jörg stellte klar, dass das Gericht diese Maßnahmen nicht anordnet, sondern lediglich genehmigt und nur Betreuer oder Bevollmächtigte als Antragsberechtigte in Frage kommen. Die Initiative für die Beantragung einer freiheitsentziehenden Maßnahme kann jedoch sehr wohl von entsprechendem Pflegepersonal in den Einrichtungen ausgehen.

Neben den ethischen Überlegungen und Abwägungen stellen sich für die Einrichtungen bei freiheitsentziehenden Maßnahmen auch haftungsrechtliche Fragen. Anhand zahlreicher praktischer Fallkonstellationen und erfolgter Gerichtsurteile konnte den Teilnehmern latent vorhandene Ängste genommen werden. Gleichzeitig wurde von Dr. Alexander Jörg auf die Notwendigkeit einer nachvollziehbaren Dokumentation der individuellen Sachverhalte, die für oder gegen die Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen sprechen, hingewiesen.

Medizinische, juristische und ethische Aspekte bei Einsatz von Psychopharmaka stellte Dr. Friedrich Frieß, leitender Oberarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie am Krankenhaus Tauberbischofsheim in den Mittelpunkt. Wirkungsweisen, Anwendungsbereiche und Nebenwirkungen, insbesondere mögliche Sucht- und Abhängigkeitspotentiale, sowie das ethisch notwendige Abwägen von Nutzen und Gefahren, hier vor allem Nebenwirkungen, wurden praxisgerecht erläutert. Herausforderungen stellen sich in Punkto Aufklärung und Einwilligung des Patienten in die vorgeschlagenen Maßnahmen und Therapien. Neben aller Kritik und Skepsis hinsichtlich der Einnahme von Psychopharmaka plädierte er dafür, den Nutzen dieser Medikamente für den einzelnen Betroffenen nicht aus den Augen zu verlieren. Die ärztliche Zuwendung ist jedoch die Basis für eine gelingende medizinische Versorgung.

Zum Abschluss nahm Benedikt Schenk von der Betreuungsbehörde die Fachkräfte mit auf einen Streifzug durch das Betreuungsrecht. Neben den rechtlichen Voraussetzungen für eine Betreuung stellte er anschaulich den Ablauf eines Betreuungsverfahrens dar. Im Rahmen einer Betreuung muss der Aufgabenkreis konkret auf die besonderen Defizite des Betreuten zugeschnitten und abgegrenzt werden, auch hier gilt der Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten im Rahmen eines Betreuungsverfahrens ist ebenfalls wichtig. Im Landkreis arbeiten die Betreuungsbehörde mit dem Betreuungsverein der Lebenshilfe Main-Tauber e.V. und dem Kreisseniorenrat Main-Tauber sehr gut zusammen. Mit der neuen Vorsorgemappe des Kreisseniorenrats Main-Tauber kann grundsätzlich jedermann entsprechende Vorsorge treffen für den Fall einer möglichen geistigen, seelischen und körperlichen Einschränkung. Die Mappen sind auch über die Betreuungsbehörde erhältlich.

Original Quelle : main-tauber-kreis.de

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