Main-Tauber-Kreis : Milch als Eckpfeiler für gesunde Ernährung im Fokus

Anpacken bei der Fachexkursion "Lernort Bauernhof"
22.11.2017

Die jährliche Fachexkursion für Anbieter von „Lernort Bauernhof“ drehte sich 2017 um das Thema Milch. Die Landwirtschaftsämter der Landkreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Rems-Murr und Main-Tauber hatten hierzu überregional in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband sowie der Aktion „Lernort Bauernhof Baden-Württemberg“ eingeladen.

Als Vertreterin des Bauernverbands hieß Andrea Bleher die knapp 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen in der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall gemeinsam mit Geschäftsführer Martin Boschet willkommen. Dieser hob die Bedeutung der Aktivitäten von „Lernort Bauernhof“ hervor. Diese sind darauf gerichtet, vor allem Kinder, aber auch erwachsene Verbraucher über alle Stufen der Lebensmittelproduktion zu informieren und sie aktiv daran teilhaben zu lassen. Das Motto lautet „vom Acker bis auf den Teller“.

Die Hofgut-Molkerei ist mit 1000 Milchlieferanten ein genossenschaftlich geführtes Unternehmen, in dem sich die Landwirte als Eckpfeiler für bewusste Ernährung sehen. Molkereimeister Friedrich Klenk führte die Teilnehmer durch die verschiedenen Produktionsbereiche. Beeindruckend ist, in wieviel unterschiedliche Verpackungen Milch abgefüllt wird, um dann im Supermarkt als Eigen- beziehungsweise Herstellermarke verkauft zu werden. Nur auf den zweiten Blick kann der Verbraucher erkennen, von welcher Molkerei die Milch kommt, die er gerade in der Hand hält. Unter der Kennzeichnung DE BW010 verbirgt sich beispielsweise die Hohenloher Molkerei.

Dann ging es weiter an die Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell. Dort stand Frank Rösch, Dozent der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, in den Startlöchern. Die Frage, wie das Wissen rund um das Thema Milch pädagogisch so aufbereitet werden sollte, dass es Schülern der verschiedensten Klassenstufen verständlich näher gebracht werden kann, wurde ausführlich erarbeitet und diskutiert.

„Vor 100 Jahren war noch ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, heute sind es nur noch ein Prozent“, sagte Frank Rösch. Das erklärt, weshalb Wertschöpfungsketten nicht mehr bekannt sind. Heranwachsenden durch Schaffung von Emotionen und Beziehungen wieder eine Identifikation mit der Region und der Bevölkerung zu geben und sie so selbst handlungsfähig zu machen, motiviert den jungen Pädagogen.

Frank Rösch ist überzeugt, dass sich das Konsumverhalten der Verbraucher konkret darauf auswirkt, wie ein Landwirt letztendlich handeln kann. Deshalb war es ihm ein Anliegen, den Teilnehmern zu zeigen, wie Schüler neugierig gemacht werden können und wie wieder Interesse an dem Thema Landwirtschaft entstehen kann.

Im Anschluss folgte ein Praxisbeispiel beim Lernort-Bauernhof-Betrieb Renz auf dem Reisachshof bei Braunsbach. Der Haupterwerbsbetrieb hält neben 230 Milchkühen mit Nachzucht, Ackerbau und Grünlandwirtschaft sowie einer 50-kW-Biogasanlage noch allerlei Kleintiere und Pferde. Zusätzlich bewirtschaftet die Familie eine Festscheune und bietet Kindergeburtstage sowie Ferienprogramm an.

Hier durften die teilnehmenden Landwirte und Landwirtinnen selbst einmal in die Rolle der Schüler schlüpfen. Bärbel Renz präsentierte eine „Schatz“-Karte des Hofes, auf der verschiedene Stationen eingezeichnet waren. Und so durften die Kurzzeit-„Schüler“ unter anderem Kühe füttern und Kälbchen zählen. Eine Gruppe sollte die „Spülmaschine ausräumen“, was so viel bedeutete, wie die Melkzeuge im Melkstand aus der Spülvorrichtung zu nehmen. Alle Sinne kamen bei den Aufgaben zum Einsatz, denn an jeder Station war eine Box vorbereitet, in der ein stationsspezifischer Gegenstand erfühlt werden musste.

„Der Bedarf an Erfahrungsaustausch unter den Landwirten war wie immer sehr groß“, sagt Jennifer Hermann, Lernort-Koordinatorin vom Landwirtschaftsamt Landratsamtes Main-Tauber-Kreis in Bad Mergentheim. Es wurde erneut deutlich, wie stark ein gutes Erscheinungsbild der Höfe, Engagement, Motivation und Interesse der Betriebsleiter mit der Außenwirkung der Landwirtschaft verknüpft sind. Lernort Bauernhof-Akteure öffnen ihre Höfe, um die Herkunft der Lebensmittel, den Umgang mit Tieren und Ressourcen erlebbar zu machen und sich den Fragen der Bevölkerung zu stellen.

INFO:

Ansprechpartnern und mehr Informationen unter www.lob-bw.de.

 

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