Main-Tauber-Kreis : Wichtige Hinweise beim Grünlandtag des Landwirtschaftsamtes

Auf verschiedenen Grünlandflächen erhielten die Teilnehmer praktische Hinweise zu anstehenden Bewirtschaftungsmaßnahmen. Quelle : Main-Tauber-Kreis.de
Prof. Dr. Martin Elsäßer bei seinem Vortrag Quelle : Main-Tauber-Kreis.de

„Vielfach gehen die Futtervorräte und die Reserven zur Neige und müssen in Frühjahr und Sommer wieder aufgefüllt werden, sollen Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen im kommenden Winter ausreichend zu fressen haben“, erklärte der Leiter des Landwirtschaftsamtes, Meinhard Stärkel. Zusammen mit den Teilnehmern nahm deshalb der renommierte Grünlandexperte Prof. Dr. Martin Elsäßer vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) in Aulendorf mehrere Grünlandflächen in Augenschein und gab in Abhängigkeit von Pflanzenbestand und Bestandesdichte konkrete Bewirtschaftungsempfehlungen. Zuvor hatte er in einem Vortrag die physiologischen Phänomene sowie mögliche Lösungsansätze beleuchtet.

Übermäßiger Mäusebesatz schädigte viele Grünlandflächen über Herbst und Winter zusätzlich. Quelle : Main-Tauber-Kreis.de

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880 hat sich die Durchschnittstemperatur bisher schon um 0,85 Grad Celsius erhöht. Dieser Prozess beschleunigt sich aktuell. Durch den infolge des Klimawandels länger werdenden Vegetationszeitraum wird sich auch die natürliche Artenzusammensetzung eines Grünlands verändern. Trockenheitszeigerpflanzen wie Wegwarte oder Schafgarbe werden zum Beispiel an sommertrockenen Südlagen vermehrt auftreten. Doch „das Klima ändert sich 5000 Mal schneller als die Pflanzenwelt“, sagte Dr. Elsäßer.

Im vergangenen Herbst sahen viele Grünlandflächen völlig verdorrt aus, die Pflanzen waren in einer so genannten Dormanz, einem lebenserhaltenden Ruhestadium, um möglichst wenig Verdunstungsoberfläche zu bieten. Die zentrale Frage aus dem Trockenjahr ist: Welche Pflanzen(arten) treiben wieder aus und sind Ertragsbildner? Wie reagieren Pflanzenbestände auf Trockenheit, und wie ändert sich daraus die Artenzusammensetzung im Grünlandbestand? Wurden die Grasnarben nachhaltig geschädigt, und welche Arten sind nun durchsetzungsstärker?

Aktuell sind die Pflanzen in eine neue Vegetationsperiode gestartet. Oberstes Gebot für den Bewirtschafter muss jetzt sein, entstandene Lücken in der Grünlandnarbe wieder zu schließen. Solche Fehlstellen im Grasbestand ohne Bewuchs entstehen zum Beispiel durch vertrocknete Gräser oder Feldmäuse, aber auch durch Wildschweine oder schlechte Witterungsverhältnisse bei der Ernte oder der Gülleausbringung.

Lücken werden schnell durch Ampfer besiedelt, das in vielen Wiesen und Weiden am häufigsten anzutreffende Unkraut. Bei geringem Besatz kann versucht werden, diesen durch Ausstechen mit der Pfahlwurzel zu bekämpfen; für flächige Ampferflächen können auch zugelassene Herbizide eingesetzt werden. Infolge des letztjährigen Futtermangels waren Weidetiere oft zu lange auf der Fläche und haben auch die Stoppel der Gräser mit abgefressen. Diese werden aber von den Pflanzen benötigt, um wieder austreiben zu können. Ähnliche Schäden entstehen auch bei zu tiefem Schnitt. Die Pflanzen brauchen nämlich eine Restlänge als Assimilationsfläche, um schnell wieder nachschieben zu können.

Der Maschinenring Östlicher Tauberkreis präsentierte verschiedene Maschinen zur Grünlandpflege und -nachsaat. Quelle : Main-Tauber-Kreis.de

Auf solchen Flächen ist häufig eine Nachsaat notwendig, also eine gezielte Aussaat von standortangepassten Nachsaatmischungen. Dabei ist immer ein ausgewogenes Verhältnis von Gräsern und Leguminosen anzustreben, der wiederum von der Nutzungshäufigkeit abhängig ist. Silagewiesen haben einen hohen Grasanteil, da diese ein häufigere Mahd und Überfahrten relativ gut verkraften. Heuwiesen oder extensive Standorte haben einen Leguminosen- und Kräuteranteil oft bis zu 25 Prozent des Bestandes.

Solche extensiven Wiesen, oft Hanglagen, werden in der Regel nur ein- bis zu zweimal genutzt. Sollen Leguminosen auf der Fläche etabliert werden, eignen sich für trockene Lagen die Luzerne, auf feuchteren Standorten, zum Beispiel in Tallagen, eher der Rotklee. Auf Wirtschaftsgrünland sollten als Gräser Deutsches Weidelgras, Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras dominieren und etwas Knaulgras vorhanden sein.

Technisch gilt es, bei der Aussaat zwischen einer Übersaat und einer Nachsaat zu unterscheiden: eine Übersaat sollte jährlich einmal erfolgen. Geschieht dies nicht, ist spätestens alle drei bis fünf Jahre eine gezielte, technisch aufwendigere Nachsaat durchzuführen. Standortangepasste Nachsaatmischungen können unter www.LAZBW.de nachgelesen werden und sind beim örtlichen Lagerhaus erhältlich.

Der optimale Termin für eine Nachsaat ist oft nach dem ersten Schnitt. Zu diesem Zeitpunkt ist noch genügend Bodenfeuchte für eine Keimung vorhanden, und der ertragsstarke erste Schnitt ist abgeerntet. Ein weiterer Grund hierfür im Vergleich zur Nachsaat im Herbst ist die Tageslichtlänge, wodurch die jungen feinen Gräser bessere Startbedingungen haben. In Ausnahmefällen, also bei sehr hohem Lückenanteil von mehr als 20 Prozent der Bodenoberfläche, ist eine Nachsaat bereits vor dem ersten Schnitt durchzuführen.

Für eine erfolgreiche Etablierung der Gräser ist es notwendig, die Samen flach auf die Bodenoberfläche abzulegen und leicht anzuwalzen. Dafür hat der Maschinenring Östlicher Tauberkreis entsprechende Technik mit guter Flächenleistung verfügbar. Zum einen ist dies ein Wiesenstriegel zur Einebnung der Bodenoberfläche bei gleichzeitiger Aussaat der Sämereien, zur optimalen Aussaat der Grassamen auch noch ein Gerät mit speziellen Scheibenscharen und Walze zum Andrücken der Oberfläche.

Abgeschlossen wurde der Grünlandtag mit der Besichtigung dieser Maschinen – erläutert durch Geschäftsführer Reiner Müller und Mitarbeiter Joachim Klein – an der Geschäftsstelle des Maschinenrings Östlicher Tauberkreis in Creglingen-Münster. Die rege Beteiligung und Diskussion während des gesamten Nachmittags machte die Relevanz der behandelten Fragestellungen deutlich.

Original Quelle : main-tauber-kreis.de

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