Stadt Wertheim : Ermunterung zu Engagement als Flüchtlingspate – „Man lernt ganz tolle Menschen kennen“

RayMediaGroup / Pixabay , Wertheim am Main

„Man lernt ganz tolle Menschen kennen“

Ermunterung zu Engagement als Flüchtlingspate

Sie warben gemeinsam um das Engagement weiterer Flüchtlingspaten: Claudia Ühlein von „Willkommen in Wertheim“ und Volker Mohr, Flüchtlingsbeauftragter der Stadt Wertheim. Foto: Foto: Stadt Wertheim

Neue Paten für die Betreuung Geflüchteter zu gewinnen: diesem Ziel diente eine Informationsveranstaltung, zu der die Stadt Wertheim am Donnerstagabend in das Café Kunterbunt im Stadtteil Reinhardshof geladen hatte. Denn mag die sogenannte Flüchtlingskrise auch bundes- und landesweit abgeebbt sein, auf kommunaler Ebene kommen nach wie vor Menschen an, die zuvor in Erstaufnahmeeinrichtungen und in Gemeinschaftsunterkünften lebten. „Ihre Integration kann nur gelingen, wenn auch diese Neuankömmlinge begleitet und unterstützt werden“, sagte Bürgermeister Wolfgang Stein und stellte fest, „für die Stadt und das Miteinander hier ist das enorm wichtig“. Die Bürokratie sei kompliziert, Verwaltungsvorgänge seien komplex und schwierig. „Das alles ist für jemanden, der neu in diesen Kulturkreis kommt, alleine gar nicht zu bewältigen.“

Wie zuvor der Bürgermeister hielt auch Walter Hörnig, einer der Vorsitzenden des Vereins „Willkommen in Wertheim“, eine kurze Rückschau auf die Ereignisse und die Situation in den Jahren 2015 und 2016 an Main und Tauber. Mit dem städtischen Flüchtlingsbeauftragten Volker Mohr und der Patenbetreuerin des Vereins, Claudia Ühlein wurde der Fokus dann auf die Praxis gerichtet. Rund 150 Neuankömmlinge werden aus Zuweisungen in diesem Jahr in Wertheim erwartet, sagte Mohr. Sie müssten in geeigneten Unterkünften untergebracht werden. „Wir sind unterwegs, mieten Wohnraum an und weisen die Geflüchteten dann dort ein. Dabei orientieren wir uns an einfachen Bedürfnissen“, betonte Mohr.

Für die Stadt Wertheim dankte Bürgermeister Wolfgang Stein bei der Begrüßung für das ehrenamtliche Patenengagement. Foto: Stadt Wertheim

Dann beginne der klassische Weg der Integration: Sprache, Beruf, Kindergarten, Schule und vieles andere mehr. „Wir wollen eine Art Navigation bieten“, erläuterte der städtische Flüchtlingsbeauftragte. Das Ziel sei es, auf die Unabhängigkeit der Neuankömmlinge von staatlichen Leistungen hinzuwirken. Weil das die Stadt, wie Mohr einräumte, alleine gar nicht leisten kann, kommen, wenn es möglich ist, Paten für die Betreuung der Geflüchteten hinzu. „Wir bieten unsere Unterstützung an und versuchen, Antworten auf viele Fragen zu geben“, sagte Claudia Ühlein. „Man lernt ganz tolle Menschen kennen“, betonte Elke Schwarzer unter anderem aus ihrer Erfahrung mit der Betreuung einer afghanischen Familie.

Mohammed Shattour schilderte, wie sehr ihm Paten beim Ankommen und Zurechtfinden in Wertheim geholfen haben. Heute wirkt er selbst in der Unterstützung von Flüchtlingen aktiv mit. Foto: Stadt Wertheim

„Es ist wirklich nicht mehr so, dass nur wir die Helfer sind. Wir bekommen inzwischen auch selbst Unterstützung aus den Reihen der Geflüchteten“, so Claudia Ühlein. Dem Versprechen folgend, das sie und Volker Mohr eingangs gegeben hatten, sie wollten „nicht alles schwarz, aber auch nicht alles rosa-rot malen“, verschwieg die Patenbetreuerin nicht, dass die zu übernehmende Aufgabe nicht immer leicht ist. Aber „es gibt so viele Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen“. Regelmäßige Treffen der Paten dienten dazu, Erfahrungen auszutauschen. Zudem sei es ihr Wunsch dass Betreuer, wenn immer möglich, im Tandem auftreten. Und nicht zuletzt, „man hat auch immer die Möglichkeit, ‚Nein‘ zu sagen“. Auf einen wichtigen Aspekt wies Walter Hörnig abschließend noch hin, nämlich den, dass kein Pate sich persönlich finanziell engagieren muss oder soll.

Was ist als ehrenamtlicher Betreuer Geflüchteter zu tun? Darüber gibt ein Faltblatt des Vereins „Willkommen in Wertheim“ Auskunft, das beim Informationsabend im Café Kunterbunt verteilt wurde.

Ein Vorteil der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen in Wertheim: Auch die Ortsvorsteher kümmern sich um die neu Ankommenden. Hier Kurt Kraft, Ortsvorsteher von Sonderriet (links), im Gespräch mit Unterstützerinnen. Foto: Stadt Wertheim.

Die Paten betreuen Familien und Wohngruppen im Team bei freier Zeiteinteilung. Dazu gehören zum Beispiel:
* andere Kulturen kennenlernen und etwas von der Lebensweise in Deutschland weitergeben
* Unterstützung bei Anmeldungen, z.B. Volkshochschule, Kindergarten, Schule
* miteinander reden und sich kennenlernen
* Hilfe bei organisatorischen Dingen
* gemeinsam die Kleiderkammer besuchen
* mit Kindern spielen, vorlesen und ähnliches
* Unterstützung bei Behördengängen.

Wer sich für diese Aufgabe interessiert, findet weitere Informationen und wichtige Kontaktdaten auf der Internetseite der Stadt Wertheim unter www.wertheim.de/fluechtlinge.