Stadtverwaltung Wertheim : Pendlerstudie bringt interessante Aufschlüsse

Voraussetzungen für einen Zuzug werden untersucht

Die Wirtschaftsförderung des Main-Tauber-Kreises hat nach Abstimmung mit den Städten und Gemeinden eine Pendlerstudie begonnen. Sie soll zeigen, unter welchen Voraussetzungen die einpendelnden Arbeitnehmer für einen Zuzug in den Main-Tauber-Kreis gewonnen werden können. Die wissenschaftliche Begleitung hat Prof. Dr. Ditmar Hilpert vom Steinbeis Transferzentrum Unternehmensführung in Reutlingen übernommen. Jetzt liegen erste Zwischenergebnisse vor.

Der Main-Tauber-Kreis ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleister bieten rund 52.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis. Im Jahr 2014 pendelten in den Main-Tauber-Kreis rund 14.700 Arbeitnehmer ein und rund 15.000 Arbeitnehmer aus dem Landkreis aus. „Die konstant hohe Einpendlerzahl in den Main-Tauber-Kreis ist aufgrund der um den Landkreis herum vorhandenen Wirtschaftszentren doch recht beachtlich“, sagt Dezernent Jochen Müssig vom Landratsamt Main-Tauber-Kreis.

Mit der Pendlerbefragung soll nun geprüft werden, welche Voraussetzungen für einen Zuzug in den Main-Tauber-Kreis vorliegen müssen. „Konkret wollen wir wissen, was geboten sein muss, damit der Wohnort auch dem Arbeitsplatz folgt“, erläutert Jochen Müssig.

Der von Prof. Dr. Ditmar Hilpert in Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung des Main-Tauber-Kreises ausgearbeitete Fragebogen ging im November und im Dezember 2015 an 35 Unternehmen im Main-Tauber-Kreis. „Dabei haben wir auf einen flächenbezogenen Proporz geachtet“, erläutert Dezernent Jochen Müssig. Insgesamt wurden mehr als 4.000 Fragebögen ausgegeben. Inzwischen sind rund 760 Fragebögen (Stand Mitte Dezember 2015) zurückgekommen. Dies entspricht derzeit einer Rücklaufquote von 18,7 Prozent und „ist jetzt schon ein gutes Ergebnis“, erklärt Professor Dr. Hilpert.

Die erste Auswertung zeigt, dass rund zwei Drittel der Pendler der Altersgruppe bis 45 Jahre angehört. Besonders auffällig ist, dass von den bisherigen Teilnehmern 340 ausführen, keine oder noch keine Kinder zu haben. Aus dem Fragebogen ist ersichtlich, dass die Mehrheit der Pendler aus dem Landkreis Würzburg in den Main-Tauber-Kreis kommt. Die Einpendlerzahl aus Würzburg, immer auf die zurückgegebenen Fragebogen bezogen, liegt bei 323 Arbeitnehmern oder 42 Prozent. Es folgen der Neckar-Odenwald-Kreis, der Landkreis Miltenberg und der Hohenlohekreis. Ebenso gibt es Einpendler aus dem Main-Spessart-Kreis und aus dem Landkreis Schwäbisch Hall. Die Mehrheit der Pendler ist werktäglich unterwegs. Primär nutzen sie das Auto. Die Pendlerstrecke beträgt überwiegend zwischen elf und 40 Kilometern, die Fahrzeit für die tägliche An- und Rückfahrt liegt zwischen 30 Minuten und einer Stunde.

Der Rücklauf belegt auch, dass rund 26 Prozent der Pendler in einer angemieteten Wohnung leben. „Gerade bei diesem Personenkreis sehen wir eine gute Chance für einen Zuzug in den Main-Tauber-Kreis“, sagt Dezernent Jochen Müssig. Letztendlich haben im Fragebogen auch 143 Personen erklärt, schon einmal über einen Zuzug in die Nähe des Arbeitsplatzes nachgedacht zu haben. Auch dies bestätigt die Chance, Menschen für den Main-Tauber-Kreis zu begeistern.

Bei den Kriterien für einen Zuzug werden Kinderbetreuung, Kinderbetreuungsplätze, Kindergarten, weiterführende Schulen und erschwingliche Bauplätze als besonders wichtig eingestuft. Die Erwartung, auch für den Ehe- oder Lebenspartner einen Arbeitsplatz zu finden, wird von einem Teil der Befragten nur mit einer mittleren Priorität und von einem größeren Anteil als unwichtig eingestuft. Dagegen ist auffällig, dass das kulturelle Angebot sowie die Nähe zu einer Großstadt (100.000 Einwohner und mehr) relativ hohe Priorität hat. Rund 44 Prozent erklären, dass das kulturelle Angebot wichtig bis besonders wichtig ist. Aus dem Rücklauf der Fragebogen sticht aber ganz besonders die Voraussetzung: „Nähe zur Natur“ heraus. Mehr als 74 Prozent der Befragten geben an, dass die Nähe zur Natur und das Naturerlebnis ganz besonders wichtig sind.

Die Wirtschaftsförderung des Main-Tauber-Kreises wird nun in Abstimmung mit Prof. Dr. Hilpert und den Städten und Gemeinden die Ergebnisse weiter erörtern. Es wird auch noch mit einem weiteren Rücklauf an Fragebogen gerechnet. Diese Angaben fließen ebenfalls in die Gesamtauswertung ein.

Aus den Antworten werden im weiteren Dialog mit den Städten und Gemeinden Möglichkeiten erörtert, Pendlern die gewünschten Voraussetzungen anzubieten. Dabei wird es ganz entscheidend sein, die Pendler auch unmittelbar zu erreichen.

Informationen zum Wirtschaftsstandort Main-Tauber-Kreis und zur Pendlerbefragung gibt es beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis, Wirtschaftsförderung, Gartenstraße 1, 97941 Tauberbischofsheim, Telefon 09341/82-5809, E-Mail: wirtschaftsfoerderung@main-tauber-kreis.de, oder im Internet unter www.main-tauber-kreis.de/wirtschaft.