Sündenbock – Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Thema Rassismus

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Allg. Zeitung Mainz: Sündenbock
Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Thema Rassismus

Mainz (ots) – An manchen Jahrestagen sitzen Schock und Trauer fast so tief wie damals, als es geschah. Rostock-Lichtenhagen 1992, das war Ausländerhass, ein Pogrom, übelste Kriminalität, begangen von einem Mob. Eine Schande für ganz Deutschland. Leider aber auch ein Indiz, dass es in den neuen Bundesländern mit Integration und Toleranz schwieriger werden könnte als in den alten, obwohl auch dort Ausländerheime brannten. Und heute? Es ist in schicksalhafter Weise schlimm, dass die Terrorgefahr den Rassismus und den Ausländerhass forcieren. Zu voller Blüte gelangt dabei das Prinzip „Sündenbock“, nachzulesen in der Bibel: Die Sünden des Volkes werden per Handauflegen auf einen Ziegenbock übertragen, und mit ihm werden die Sünden in die Wüste geschickt. Irgendjemand soll schuld sein an allem Bösen. Irgendjemand – bloß nicht die, die das Böse tatsächlich zu verantworten haben. Gerade am 25. Jahrestag von Rostock-Lichtenhagen sollten wir uns nicht selbst belügen, sondern der Tatsache ins Auge schauen, dass es in Deutschland und der Welt nicht viel mehr Toleranz gibt und nicht viel weniger Rassismus als damals. Fatalerweise ist dabei der mächtigste Mann der Welt, Donald Trump, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems – ein weißer Herrenmensch. Mit Marine Le Pen und Geert Wilders sind die gefährlichsten Rechtsextremisten gestoppt, aber vielleicht nur vorläufig. In Deutschland hat sich die AfD noch nicht einmal vom Hetzer Björn Höcke getrennt, und Spitzenkandidat Gauland will, „dass das Geld, das für Flüchtlinge ausgegeben wird, nicht für Flüchtlinge ausgegeben wird.“

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