Tierquälerei ? Eisbären in Zoos wegen des Klimawandels zunehmend im Hitzestress – PETA fordert Abgabe der Tiere an nordische Länder

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Stuttgart, 24. Juli 2019 – Da Deutschland erneut Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet, warnt PETA, dass die sengende Hitze unmittelbar lebensbedrohlich für Eisbären in deutschen Zoos werden kann. 2012 starb ein Eisbär im Zoo von Buenos Aires bei 35 Grad an Hitzestress. Nun fordert die Tierschutzorganisation die zwölf betreffenden Zoos in Deutschland auf, die Haltungen aufzugeben und die Tiere an Tierparks in nordischen Regionen wie Skandinavien abzugeben. Neben der Hitze leiden die rund 30 Eisbären in den Zoos unter mangelhaften Haltungsbedingungen, was bei fast allen Tieren durch schwere Verhaltensstörungen ersichtlich ist. Auch weil in Gefangenschaft geborene Eisbären nicht ausgewildert werden können, fordert PETA von der Bundesregierung, die Zoohaltung mittels eines Nachzucht- und Importverbots auslaufen zu lassen.

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„Eisbären sind perfekt an ein Leben bei zweistelligen Minustemperaturen im ewigen Eis angepasst. Die Tiere in Deutschland in viel zu kleinen Gehegen zu halten, ist besonders in der Sommerhitze Tierquälerei“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin bei PETA. „Die Verantwortlichen nehmen das immense seelische und körperliche Leid der Tiere in Kauf, weil insbesondere der niedliche Nachwuchs als Publikumsmagnet herhalten muss.“

 

Die Eisbärenhaltung in Deutschland konterkariert den Artenschutz, denn um die Innengehege und Wasserbecken für die Tiere kontinuierlich sehr kühl zu halten und das Wasser zu filtern, benötigen Zoos sehr viel Energie und tragen somit noch zum Klimawandel bei. Daher appelliert PETA an die deutschen Zoos, dem Beispiel von Südkorea zu folgen: Dort wurde die Haltung der kälteliebenden Polarbären bereits aufgegeben, um den Tieren die Hitze zu ersparen – der letzte Eisbär sollte 2018 in einen Zoo in Großbritannien umziehen, starb jedoch noch kurz vor dem geplanten Umzug [1]. Im Raubtierpark Orsa in Zentralschweden wurde die mit rund 40.000 Quadratmeter größte Eisbärenanlage der Welt errichtet [2]. In solchen Einrichtungen könnten die Eisbären aus deutschen Zoos tiergerechter untergebracht werden.

Experten bestätigen: Eisbärenhaltung in Gefangenschaft nicht artgerecht möglich
Durch eine bis zu elf Zentimeter dicke Fettschicht, eine fünf Zentimeter dicke Unterwolle und bis zu 15 Zentimeter lange Haare sind Polarbären vor eisiger Kälte geschützt. Eisbärenforscher bestätigen, dass sich die Tiere bei großer Hitze nicht wohlfühlen und sogar an Hitzestress leiden können [3]. Namhafte Wissenschaftler wie Prof. Dr. Hanno Würbel von der Universität Bern, Verhaltensbiologe Dr. Karsten Brensing sowie der ehemalige Zoodirektor Prof. Dr. Manfred Niekisch vertreten die Auffassung, dass Eisbären in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, weil die Diskrepanz zwischen den Bedingungen in ihrem natürlichen Lebensraum und denen im Zoo zu groß ist [4, 5].

 

Zwangsstörungen bei Eisbären in Zoos
Obwohl die gravierenden Folgen der viel zu kleinen Gehege in Zoos bekannt sind, züchten Zoos und Tierparks weiterhin Tiere in diese Leid verursachende Umgebung hinein. In freier Natur wandern Eisbären jedes Jahr Hunderte bis Tausende Kilometer. Können sie sich nicht artgemäß bewegen, entwickeln sie auffällige Verhaltensstereotypien, erkennbar an sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen. Laut PETAs Eisbären-Studie von 2008/2010 und verschiedenen wissenschaftlichen Studien zeigt die große Mehrheit aller Eisbären in Zoos entsprechende Verhaltensstörungen. Die Tierschutzorganisation hat mehrfach Videomaterial veröffentlicht, das schwere Zwangsstörungen bei den Tieren belegt. PETA appelliert an alle Tierfreunde, sich an einer Online-Petition an das zuständige Bundesministerium für ein Auslaufen der Haltung von Eisbären in Gefangenschaft zu beteiligen.

 

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 

[1] Barnes, T. (2018): Polar bear dies in South Korean zoo days before scheduled move to Yorkshire wildlife park. In: Independent. Online abrufbar unter: https://www.independent.co.uk/news/world/asia/polar-bear-south-korea-dead-yorkshire-wildlife-park-move-doncaster-tongki-a8590191.html. (24.07.2019).
[2] Schwedentipps: Orsa Raubtierpark mit Eisbären und grandioser Gipfelhütte. Online abrufbar unter: https://www.schwedentipps.se/dalarna/orsa-raubtierpark.(24.07.2019).
[3] Orgeldinger, M.: Überleben in der Arktis (IV) Überhitzung. Tiergarten Nürnberg. Online abrufbar unter: http://tiergarten.nuernberg.de/zoowissen-co/arten-und-naturschutz/eisbaeren/ueberleben-in-der-arktis-iv.html. (24.07.2019).
[4] Frankfurter Rundschau (2008): Punkten ohne Eisbär-Rummel. Online abrufbar unter: www.fr-online.de/spezials/frankfurter-zoo-punkten-ohne-eisbaer-rummel,1472874,2782166.html. (24.07.2019).

[5] Klages, R. (2018): Eisbären gehören nicht in Zoos. In: Der Tagesspiegel. Online abrufbar unter: https://www.tagesspiegel.de/wissen/tierschutz-eisbaeren-gehoeren-nicht-in-zoos/20917616.html. (24.07.2019).

Weitere Informationen:
PETA.de/Eisbaeren
PETA.de/ZooIrrtuemer

 

PETA Deutschland e.V. feiert im Jahr 2019 sein 25-jähriges Jubiläum. Der Verein ist mit über einer Million Unterstützern die größte Tierschutzorganisation Deutschlands, die sich für die Rechte aller Tiere einsetzt.

 

PETA.de

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