Weg zur Hochschulstadt – SRH Fernhochschule startet im Herbst in Wertheim

Wertheim wird Standort einer Hochschuleinrichtung. Darüber freuen sich Oberbürgermeister Stefan Mikulicz (links) und Bürgermeister Wolfgang Stein. Foto: Stadt Wertheim

Erster Meilenstein auf dem Weg zur Hochschulstadt

Auf dem Weg zur Hochschulstadt hat Wertheim einen ersten Meilenstein erreicht. Der Gemeinderat hat am Montag dem Abschluss einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Wertheim und der SRH Fernhochschule – The Mobile University zugestimmt. Damit ist der Weg frei zur Einrichtung eines Studienzentrums in Wertheim und der Aufnahme des Studienbetriebs im September 2017. Speziell für die regionalen Unternehmen richtet die SRH Fernhochschule einen Bachelor-Studiengang „Wirtschaftsingenieur“ ein. Dazu liegen aus Reihen der Wirtschaft bereits über 20 Zusagen vor.

„Diese Kooperation ist ein guter Einstieg in die Entwicklung zum Hochschulstandort“, sagte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz beim Pressegespräch am Dienstag. Gleichzeitig betonte er: „Wir machen weiter. Und ich bin optimistisch, was die weitere Entwicklung angeht.“ Denn die Stadt steht in Kontakt mit weiteren Hochschuleinrichtungen, darunter weiterhin die IMC Krems.

Die SRH Fernhochschule hatte sich im Dezember 2016 den Wertheimer Unternehmern bei einer Veranstaltung im Arkadensaal vorgestellt. Seitdem sind die drei wesentlichen Hürden für die Ansiedlung der Fernhochschule in Wertheim genommen:

* Die Mindestteilnehmerzahl von 20 Studierenden zum Start ist erreicht. Aus Reihen der Unternehmen liegen Zusagen vor, eine ausreichende Zahl von Fachkräften in den im September beginnenden Studiengang Wirtschaftsingenieur zu entsenden.
* Die Stadt Wertheim kann problemlos Lehr- und Seminarräume für das Studienzentrum zur Verfügung stellen. Da die Räume nur an vier bis sechs Präsenz-Wochenenden pro Semester gebraucht werden, steht einer Mitnutzung bestehender Schul-/Gebäude nichts im Weg.
* Die Finanzierung einer Stiftungsprofessur im Umfang von 80.000 Euro pro Jahr ist gesichert. Der Landkreis will sich mit 15.000 Euro beteiligen (darüber soll der Kreistag in Kürze beschließen), die Wertheimer Unternehmen Brand und Vaccubrand steuern 30.000 Euro bei, die Sparkasse Tauberfranken weitere 10.000 Euro. So verbleibt bei der Stadt ein Anteil von 25.000 Euro.

Die Kooperation beginnt am 1. September 2017 und wird auf unbestimmte Zeit geschlossen, sie dauert mindestens drei Jahre.

Die SRH Fernhochschule – The Mobile University Fernhochschule mit über 3.500 Studierenden ist eine staatlich anerkannte Hochschule mit zahlreichen Gütesiegeln. Sie hat 20 Jahre Erfahrung im Online-Studium, wurde als erste Fernhochschule in Deutschland für zehn Jahre akkreditiert und ist kontinuierlich auf Expansionskurs. „Wir haben mit der SRH einen sehr qualitätvollen Partner“, fasste OB Mikulicz zusammen. Angeboten werden derzeit zehn Bachelor- und sieben Master-Studiengänge.

Der Studiengang Wirtschaftsingenieur wurde eigens für den Bedarf der regionalen Wirtschaft entwickelt. Foto: Stadt Wertheim

Die Fernhochschule sieht sich in zehn Jahren bei 10.000 Studenten. Deshalb treibt sie den Ausbau von Studienzentren voran. Zwölf Standorte sind es bisher bundesweit, Wertheim kommt im September als dreizehnter hinzu.

Seit 2015 bemüht sich die Stadt Wertheim um Ansiedlung einer Hochschuleinrichtung. „Dabei geht es uns nicht um das Etikett“, verdeutlichte OB Mikulicz. Es gehe vielmehr um die Zukunftssicherung der Stadt und um eine Stärkung des Bildungsstandorts im ländlichen Raum vor allem im Hinblick auf die Perspektiven für junge Menschen: Viele seien, wenn sie nach dem Abitur eine Hochschulbildung anstreben, zum Verlassen der Heimatregion gezwungen und selten kehrten sie zurück.

Die Kooperation mit der SRH Fernhochschule hat laut OB Mikulicz „einen starken Wirtschaftsförderungsansatz“. Denn sie unterstützt regionale Unternehmen bei der Sicherung und Gewinnung von Fachkräften. „Junge Menschen können hier ihre Ausbildung machen und parallel dazu studieren. Oder sie nutzen das Studienangebot, um sich berufsbegleitend zu qualifizieren.“ Umgekehrt können Unternehmen ihren Nachwuchskräften Wege und Anreize zur Qualifizierung bieten und sie gleichzeitig als Mitarbeiter behalten.

Die Kooperation mit der SRH Fernhochschule ist ein erster Schritt, dem weitere folgen sollen. Die IMC Fachhochschule Krems, die 2016 ein Erstkonzept vorgelegt hat, präferiert eine eigenständige Hochschule. Allerdings ist das Akkreditierungsverfahren langwierig und eine eigenständige Einrichtung kostenintensiv. Dennoch werden die Gespräche fortgeführt, auch über eine Kooperation mit der Fernhochschule. Weitere Kontakte gibt es zur Hochschule Aschaffenburg, zur Hochschule Ansbach und zur Fachschule für Ökonomie und Management (FOM) in Frankfurt.

Stadtverwaltung Wertheim