Wertheim : Auf Kaufland folgt voraussichtlich Norma – Lösung für Nahversorgung der Altstadt in Sicht

Mitte Oktober schließt die Kaufland-Filiale in der Lindenstraße. Als Nachfolger soll ein Norma-Markt in die Räume einziehen. Foto: Stadt Wertheim

Die Kaufland-Filiale in der Altstadt schließt Mitte Oktober. Seit Monaten arbeitet die Stadtverwaltung an einer Nachfolgelösung. Jetzt ist ein konkretes Ergebnis in greifbare Nähe gerückt: Der Lebensmitteldiscounter Norma wird die Fläche in der Lindenstraße voraussichtlich übernehmen und für die Dauer von zunächst fünf Jahren als Nahversorgungsstandort betreiben. Nach einer kurzen Unterbrechung zum Einbau der neuen Ladeneinrichtung könnte der neue Norma-Markt Anfang Januar eröffnen.

Dass die Stadtverwaltung sich um eine Nachfolgelösung bemüht und die Chancen zuversichtlich einschätzt, hat sie in den letzten Monaten immer wieder kommuniziert. Erstmals kann sie jetzt Norma als möglichen neuen Nahversorger nennen, weil sie erst jetzt – in der Schlussphase der Verhandlungen – vom Unternehmen dazu legitimiert wurde. Die bisher gebotene Zurückhaltung erklärt sich aus der Verhandlungskonstellation: Die Stadt ist nicht Eigentümerin des Gebäudes in der Lindenstraße. Sie ist also auch nicht Vertragspartner von Norma, sondern fungiert „nur“ als Moderator zwischen den beteiligten Parteien.

„Ansiedlungsvorhaben im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels sind sehr komplex geworden und sie erfordern zunächst vertrauliche Abstimmungsvorgänge, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen“, erläutert dazu Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim.

Erfolg versprechend sind die Bemühungen der Verwaltung auch nur, weil sie den Nahversorgungsstandort in der Lindenstraße mit Einzelhandelsplanungen außerhalb der Innenstadt verbindet. Norma will bekanntlich seinen Filialstandort in Bestenheid auf 1.200 qm vergrößern und zusätzlich einen Getränke- oder Heimtierfachmarkt sowie einen Backshop mit Café oder eine Metzgerei errichten. Dazu läuft seit September 2016 ein Bebauungsplanverfahren und seit Februar ein Regionalplanänderungsverfahren. Diesen Hebel nutzt die Stadt Wertheim, um das Erweiterungsvorhaben in Bestenheid mit der Sicherstellung der Lebensmittelnahversorgung in der Altstadt zu verknüpfen.

Seit Mitte August liegen Mietverträge für beide Norma-Standorte vor, die nun zwischen alle Beteiligten verhandelt werden. Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim ist zwar zuversichtlich, „dass wir das Paket in trockene Tücher bekommen.“ Er macht aber auch deutlich: „Da stehen uns noch umfangreiche Gespräche und die Klärung vieler Details bevor.“

Die Verknüpfung von größeren Einzelhandelsvorhaben mit der Nahversorgung der Innenstadt ist ein Modell, mit dem die Stadt Wertheim schon einmal Erfolg hatte. Nur einer solchen „Paketlösung“ ist es zu verdanken, dass Kaufland die ehemalige Kupsch-Filiale in der Lindenstraße seit 2007 betreibt. Die Ansiedlung des großen Kaufland-Warenhauses in der Bismarckstraße hatte die Stadt mit einer zehnjährigen Betriebsverpflichtung für den Standort Lindenstraße gekoppelt. Diese Verpflichtung endet nun vertragskonform am 31. Oktober 2017.

„Die Lebensmittelmarktbetreiber standen weder damals noch heute Schlange, um einen kleinen Markt mit einer Verkaufsfläche von nur 470 qm zu betreiben“, erläutert dazu Jürgen Strahlheim. Eine Paket-Lösung, wie sie nun erneut für den Standort Lindenstraße erarbeitet werde, sei nahezu die einzige Chance, einen Lebensmittelmarkt in der Altstadt zu halten.

 

Stadtverwaltung Wertheim

 

Bilder Hochwasser in Wertheim am Main / Tauber 27.02.2010