Wertheim : Drei Zwillingspaare auf fast einen Streich – Erstes Treffen nach 70 Jahren in Wertheim

Die Zwillinge Magdalena Waltert (von links) und Wilhelmine Neumann, Heinz und Karl Matejka sowie Kurt Heller und Heimtraud Hien waren 1948 binnen einer Woche in Wertheim zur Welt gekommen. 70 Jahre später lernten sie sich im Rathaus erstmals lernen. Foto: Stadt Wertheim

 

 

Erstes Treffen nach 70 Jahren in Wertheim

 

Als ob sich die eigene Familie um ein paar neue Verwandte vergrößert hat, von denen man bislang nicht wusste: Ein solch herzliches Miteinander gab es, als noch im vergangenen Jahr im Wertheimer Rathaus drei Zwillingspaare sich das erste Mal begegnet sind. Der Oktober 1948 verbindet die 70 Jahre alten Frauen und Männer auf außergewöhnliche Weise: Innerhalb von fünf Tagen kamen die drei Zwillingspärchen Heimtraud Hien und Kurt Heller, Magdalena Waltert und Wilhelmine Neumann, sowie Heinz und Karl Matejka in Wertheim zur Welt. „Mit ihren schreienden Mäulern dürften sie den mehr oder weniger beglückten Vätern einiges Kopfzerbrechen bereiten“, schrieb damals eine Lokalzeitung zu der Überraschung.

 

Den Zeitungsbericht und die Erinnerung an die Geschehnisse hat Klaus-Dieter Heller über all die Zeit aufgehoben und auch zu dem Treffen in Wertheim mitgebracht. Heller selbst war ein vierjähriger Bub, als seine beiden Geschwister Kurt und Heimtraut am 13. Oktober im früheren Wertheimer Krankenhaus geboren wurden – an dem Ort, wo heute Stadtbücherei, Musik- und Volkshochschule im Kulturhaus ihr Zuhause haben. Trotz des späteren Wegzugs aus Wertheim ist eine tiefe emotionale Verbundenheit geblieben. Als er 2018 zu Besuch in der Main-Tauber-Stadt war, wurden zahlreiche Kindheitserinnerungen wieder wach, etwa beim Anblick des ehemaligen Krankenhauses, und damit auch an die Tage im Oktober 1948. „Was ist aus den anderen Zwillingen wohl geworden?“, fragte er sich.

Mit Bürgermeister Wolfgang Stein (Dritter von links) feierten im Barocksaal die Zwillinge Wilhelmine Neumann (von links) und Magdalena Waltert, Kurt Heller und Heimtraud Hein sowie Heinz und Karl Matejka ihre ungewöhnliche Geschichte. Foto: Stadt Wertheim

Das brachte Heller, der heute in Buchen lebt, auf eine Idee: „Es wäre doch schön, wenn sich einmal alle drei in Wertheim geborenen Zwillingspärchen an ihrem Geburtsort treffen könnten.“ In den 1980er- und 1990er-Jahren hatte er als Bürgermeister der Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen im Landkreis Karlsruhe gewirkt. In einer speziellen Form der „Amtshilfe“ fragte er Ende 2017 Wertheims Bürgermeister Wolfgang Stein, ob sich ein Treffen ermöglichen ließe.

 

„Wir haben diese Idee gerne aufgegriffen“, erzählt Stein bei dem Treffen im Barocksaal des Rathauses. Dafür habe man „nicht lange überlegen müssen“. Die Stadtverwaltung lud die Geschwisterpaare und ihre Familien zu der extra für sie vorbereiteten Feierstunde ein. Neben Bürgermeister Wolfgang Stein begrüßt auch Volker Klein, Leiter des Referats Bürgerservice und Soziales, die besonderen Gäste. Eine kleine Überraschung bringt Klein zudem aus dem Archiv des Standesamts mit: die Seiten im Geburtenbuch, die das damalige Ereignis dokumentieren.

 

Unvergessliche Erinnerungen

 

Als Wilhemine Neumann im Frühjahr des vergangenen Jahres das Schreiben mit dem Absender „Der Erste Beigeordnete der Großen Kreisstadt Wertheim am Main“ in ihrer Karlsruher Wohnung in den Händen hielt, meinte sie zunächst, einen „Bettelbrief“ bekommen zu haben. Als sie weiterlas, sorgten die Einladung und der Anlass für großes Staunen: „Ich habe mir das ja nicht vorstellen können!“ Zur gleichen Zeit bekam auch ihre Schwester Magdalena Waltert Post.

 

Wilhelmine Neumann und Magdalena Waltert sind eineiige Zwillinge. Und wie es in solchen Fällen nicht selten vorkommt: In jungen Jahren haben sich die Zwei einen Spaß daraus gemacht, die gleichen Kleider zu tragen.  „Selbst unsere Geschwister haben uns nicht auseinander halten können“, erinnert sich Waltert. Auch ihr zukünftiger Schwager fiel bei einem gemeinsamen Treffen mit ihrer Schwester dem Verwirrspiel zum Opfer. Später habe er eingestanden: Er wusste nicht, wen er vor sich hatte, erzählt Magdalena Waltert amüsiert. Beide trugen dann auch dasselbe Brautkleid – zuerst Schwester Wilhelmine, ein Jahr später Magdalena. Nichtsdestotrotz: „Wir sind zwei unterschiedliche Persönlichkeiten“, betont Waltert.

 

„Wir wussten gar nicht, dass da noch ein Kind kommt“, erzählt Klaus-Dieter Heller von der Geburt seiner beiden Geschwister Kurt und Heimtraut. „Ich bin froh, dass da noch wer nachgekommen ist“, sagt Kurt Heller und umarmt seine Schwester, die neben ihm steht. Heimtraut Hien nimmt das Ganze immer mit Humor. „Ich bin der Mengenrabatt“, sagt sie und lacht. Kurz darauf kramen die beiden Zwillinge alte Kinderbilder aus Wertheimer Tagen aus der Tasche – eines zeigt sie etwa auf der Treppe des Alten Rathauses –und schwelgen mit den anderen Pärchen in ihren immer noch lebendigen Kindheitserinnerungen.

 

Unvergesslich bleibt für Heinz Matejka, der mit seinem Zwillingsbruder Karl angereist ist, die Zeit in der er als junger Fußballer bei den damaligen Wertheimer Top-Klubs gespielt hatte – „mit Rebitzer, Kopejsko, Szabo“, wie er nach und nach aufzählt. „Ich weiß noch, wie der Hermann Rebitzer auf der Torlatte sitzt und lacht.“ Wie die Schwestern Magdalena und Wilhemine wussten auch die beiden Brüder bis zu der Einladung nichts von den anderen Zwillingen, erklärt Karl Matejka. Dass man nun einmal zusammenkomme, sei wirklich eine schöne Sache.

Während des Treffens stellen die Zwillingspaare immer wieder interessante Gemeinsamkeiten fest. So entdecken etwa Heinz Mateijka und Kurt Heller eine ähnliche Vorliebe für die Kunst. Während Matejka Ölbilder malt, ist Heller musikalisch aktiv. Kurt Heller hat etwa mit dem Saxophon eine eigene CD mit seinen Lieblingsliedern eingespielt, die er beim Treffen in Wertheim Matejka und den anderen als persönliches Andenken schenkt.

„Es scheint sich doch zu lohnen, den Lebenslauf auf dieser Welt und vor allem in Wertheim zu beginnen“, so lautet der noch heute passende erste Satz des 1948 erschienenen Zeitungsartikels. Bevor das Treffen mit einer von der Stadt organisierten Altstadtführung inklusive Besuchs im Kulturhaus fortgesetzt wird, überreicht Klaus-Dieter Heller zur Erinnerung noch jedem der Sechs eine Kopie des Artikels: „Schön, dass alle bei guter Gesundheit anzutreffen sind“, zieht er dabei sein Fazit. „Ich bin sehr dankbar, dass das geklappt hat. Es hat sich gelohnt.“

Quelle : Wertheim.de

Bildergalerie FotoShooting – Making of – mit Hardy Krüger junior und BMW designten Denim Bike im Wertheim Village , 14.09.2017