Wertheim / Region : Fachlicher Austausch zum Gewässerschutz

Die Exkursion beim Gewässernachbarschaftstag führte zur Renaturierung der Tauberaue bei Tauberbischofsheim. Foto: Jens Rögener

Vorträge und Exkursion beim kreisweiten Fachtag

Zum Gewässernachbarschaftstag trafen sich die Fachleute der Kommunen und des Landes dieses Jahr in Tauberbischofsheim. Die Gewässernachbarschaft Main-Tauber ist eine von insgesamt 45 Nachbarschaftsbezirken in Baden-Württemberg. Gemeinsames Ziel ist die Förderung einer naturnahen Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Die Veranstaltung moderierten Jens Rögener, Biologe und Umweltbeauftragter der Stadt Wertheim, und der Biologe Christian Andres vom Planungsbüro Andrena, Gamburg.

Nach Begrüßung durch Bürgermeister Wolfgang Vockel begann die Vortragsveranstaltung mit einer Präsentation zum Thema „Naturschonende Gewässerunterhaltung“ von Christian Andres, einem der beiden Betreuer der Gewässernachbarschaft. Der Referent erläuterte, dass die Anforderungen der naturschutzrechtlichen Vorgaben ständig zunähmen und die Unterhaltungspflichtigen teilweise mit dieser Regelungsdichte überfordert seien. Deshalb habe die WBW-Fortbildungsgesellschaft einen speziell auf dieseProblemlage zugeschnittenen Themenordner mit übersichtlichen Entscheidungshilfen, Maßnahmen-Steckbriefen, Arten-Steckbriefen sowie vertiefenden Informationen entwickelt. Der Biologe stellte einige Steckbriefe vor und zeigt dabei die Vielzahl der zu berücksichtigenden Aspekte auf. Diese Handreichung, so sein Fazit, sei eine wertvolle Hilfe für die Unterhaltungspflichtigen.

Über den Stand der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie informierte die Diplom-Geoökologin Stefanie Schüttler vor, Mitarbeiterin der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes. Sie wies darauf hin, dass im zweiten Bewirtschaftungszyklus, der den Zeitraum von 2015 bis 2021 umfasst, bereits 60 Prozent der Maßnahmen zur Herstellung der Durchgängigkeit der Gewässer umgesetzt werden konnten. Ihr Kollege Lutz Müller, der sich schwerpunktmäßig mit dem Thema „Gewässerschauen“ beschäftigt, ermunterte die Gemeinden, der im Wasserrecht verankerten Verpflichtung zur Durchführung von Gewässerschauen im fünfjährlichen Turnus nachzukommen. Er stellte einen Leitfaden zum Umgang mit den am häufigsten am Gewässer anzutreffenden Konfliktpunkten vor.

Die Verkehrssicherungspflichten am Gewässer standen im Mittelpunkt des Vortrags von Martin Brem, Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamtes Aschaffenburg. Er erläuterte das digitale Baumkataster des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamtes und die Regelkontrollen an den Bäumen. Den Gemeinden riet er besonders zu prüfen, wo am Gewässer ein „Verkehr eröffnet“ wird – denn dort müsse man besonders gewissenhaft die Verkehrssicherheit kontrollieren.

Die Biologin Christiane Busch, Mitarbeiterin des Planungsbüros Andrena, entführte in die interessante Welt der Großmuscheln. Sie stellte die Lebensweise und den Gefährdungsgrad der heimischen Arten vor und erläuterte, was zu tun sei, wenn im Rahmen der Gewässerunterhaltung Großmuscheln gefunden werden. Von Erfahrungen mit Bibern im benachbarten Hohenlohekreis berichtete Petra Kuch, Mitarbeiterin der Gewässerbehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart und ausgebildete Biberberaterin. Mit Filmaufnahmen beleuchtete sie das „Privatleben“ dieser streng geschützten Tierart und wies auf die positiven Auswirkungen auf die Artenvielfalt der Auenlebensräume hin.

Der Leitfaden „Renaturierung kleiner Gewässer mit Ökologischen Methoden“, stand anschließend im Mittelpunkt. Er wurde jüngst vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg herausgegeben. Der Biologe und Betreuer der Gewässernachbarschaft, Jens Rögener, fasste die wichtigsten Inhalte zusammen. Alle Gemeinden in Baden-Württemberg wurde im Juli ein kostenloses Exemplar dieser Schrift zugesandt.

Bei der anschließenden Exkursion stellte Peter Laier, Mitarbeiter bei der Gewässerbehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart, die Tauber-Renaturierung zwischen Tauberbischofsheim und Impfingen vor. Sie ist eines der derzeit größten Gewässerrenaturierungsprojekte des Landes. Die Teilnehmer waren sichtlich beeindruckt davon, wie hier ein ehemals begradigter Flussabschnitt in ein naturnahes, mit Strömungsstrecken ausgestattetes Gewässer umgestaltet wurde. Das Planungsteam hat beobachtet, dass sich schon in kürzester Zeit seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten naturnaher Gewässerauen angesiedelt haben.

Stadtverwaltung

 

Bilder Fischerfest Wertheim Sonntag 05.07.2015