Wertheim wird wieder Standort einer Polizeischule – Schriftliche Zusage von Innenminister Strobl liegt vor

Das Gelände der ehemaligen Poilzeiakademie auf dem Reinhardshof. Archivbild: Stadt Wertheim

Wertheim hat es schriftlich: Das Land wird die frühere Akademie der Polizei wieder für die Polizeiausbildung nutzen. Diese Zusage hat Innenminister Strobl per Schreiben Ende Oktober gemacht. Darüber informierte Bürgermeister Wolfgang Stein den Gemeinderat am Montag. Und er ergänzte: „Wir wissen noch nicht, was genau kommt und wann. Aber die Zusage steht, Wertheim ist gesetzt.“ Klarheit will das Land bis Ende des Jahres schaffen.

Anfang letzter Woche hatte der SWR vermeldet, Wertheim werde Außenstelle der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen. Von bis zu 400 angehenden Polizeikommissaren war die Rede, die hier ab 2019 die Ausbildung im gehobenen Dienst durchlaufen. Das hatte für Wallung bei anderen Kommunen geführt, die ebenfalls zum Zug kommen wollen. Das Innenministerium hat die Meldung später dementiert. Das Konzept der künftigen Polizeiausbildung sei noch nicht abschließend beraten.

Auch im Schreiben von Innenminister Strobl zum Standort Wertheim heißt es: „Für welche Art der Ausbildung, mittlerer oder gehobener Polizeivollzugsdienst, oder ob der Standort im Rahmen der Fortbildung von Polizeibeamten genutzt werden wird, muss noch entschieden werden.“

Bürgermeister Stein  ergänzte auf Nachfrage im Gemeinderat, dass die Reaktivierung des Akademieareals auch die Sanierung der Polizeisporthalle beinhalte. Das zuständige Amt für Vermögen und Bau bereite die Ausschreibung vor.

Hintergrund: Polizeiausbildung im Land

Die Akademie der Polizei war 1993 von der baden-württembergischen Landesregierung in Wertheim eingerichtet worden – zum einen als politisches Signal der Stärkung des ländlichen Raums, zum anderen als Kompensation für die Schließung der US-Kaserne. 2012 dann kündigte das Land an, im Rahmen der Landespolizeireform die Polizeiausbildung neu zu ordnen und den Standort Wertheim aufzugeben. Die Schließung folgte im Herbst 2015. Die nächsten zwei Jahre diente das Areal als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Flüchtlinge, ihr Betrieb endete zum 30. September 2017.

 

Hoffnung auf eine polizeiliche Folgenutzung hatte im März 2017 der Abschlussbericht zur Evaluation der Landespolizeireform geweckt. Zur Aus- und Fortbildungskapazität war der Bericht zu einem klaren Ergebnis gekommen: „Die Hochschule für Polizei benötigt mindestens einen weiteren Standort“. Inzwischen ist der Druck noch gestiegen. In den nächsten zwei Jahren sollen je 1.800 junge Leute ihre Ausbildung bei der Polizei beginnen. 2017 waren es 1.400. Deshalb werden zusätzliche Ausbildungskapazitäten gebraucht.

Seit der Landespolizeireform gibt es eine zentrale Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen. Sie ist Studienort für den gehobenen Polizeidienst. Die Hochschule hat drei Ausbildungsstandorte für den mittleren Polizeivollzugsdienst in Biberach, Bruchsal und Lahr. Ein weiterer Standort der Polizeihochschule ist Böblingen. Hier sind die Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der Polizei Baden-Württemberg gebündelt.

Die Stadt Villingen-Schwenningen kämpft darum, alleiniger Studienort für den gehobenen Polizeidienst zu bleiben. In Herrenberg soll das ehemalige IBM-Areal für die Ausbildung des mittleren Dienstes ausgebaut werden. Hoffnung auf eine Aus- oder Fortbildungseinrichtung der Landespolizei machen sich daneben die Städte Meßstetten, Sigmaringen, Mengen/Hohentengen und Bad Saulgau.

 

Stadtverwaltung Wertheim

 

Bildergalerie FotoShooting – Making of – mit Hardy Krüger junior und BMW designten Denim Bike im Wertheim Village , 14.09.2017