Zoll News : Schlag gegen organisierte Schwarzarbeit – 40 Durchsuchungen und eine Festnahme

 

In den frühen Morgenstunden des 9. Juli 2019 führten 200 Einsatzkräfte des Hauptzollamts Aachen mit Unterstützung der Steuerfahndung Aachen und der ZUZ, einer Spezialeinheit des Zolls, im Auftrag der Staatsanwaltschaft Aachen umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen gegen eine in der Städteregion Aachen und im Kreis Heinsberg ansässige Gruppe von Beschuldigten durch.

Deren Haupttäter stehen in Verdacht, sanierungsbedürftige Immobilien zu erwerben und unter Einsatz von eigenen Schwarzarbeitern kostengünstig zu sanieren. Die Beschuldigten sollen sogenannte Servicefirmen betrieben und mit diesen Abdeckrechnungen erstellt und in ihre Buchhaltung eingeführt haben, um Schwarzlohnzahlungen an Arbeitnehmer zu ermöglichen und somit Sozialversicherungsbeiträge und Steuern zu hinterziehen. Diese Firmen wurden durch die Täter selbst gegründet und von Strohmännern geführt. Darüber hinaus setzten sie außerdem Subunternehmer ein, die ebenfalls Schwarzarbeiter beschäftigten.

Insgesamt wurden 40 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt, wobei es sich um Wohnungen und Geschäftsräume der Beschuldigten sowie Baustellen verschiedener Auftraggeber handelte. Die Zöllner vollstreckten einen Haftbefehl und einen Vermögensarrest über 820.000 Euro. Außerdem wurden zwei sich illegal aufhaltende Personen angetroffen.

Es kam zur Sicherstellung von 24.000 Euro Bargeld. Darüber hinaus wurden umfangreiche Forderungs- und Kontopfändungen vorgenommen, deren Ergebnis noch nicht abschließend beziffert werden kann.

Diesen Maßnahmen gingen umfangreiche Ermittlungen des Hauptzollamts Aachen sowie der Steuerfahndung Aachen voraus. Ein Hinweisgeber informierte den Zoll, dass ein in Aachen ansässiges Immobilienunternehmen unter anderem im Raum Heinsberg mehrere Reihenhäuser sanieren würde. Dort seien Arbeiter tätig, die nicht ordnungsgemäß zur Sozialversicherung angemeldet wären. Bei einer daraufhin durchgeführten Geschäftsunterlagenprüfung bei dieser Firma entdeckten die Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit Anhaltspunkte für Abdeckrechnungen von Servicefirmen.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Firmen, von denen die Rechnungen stammten, keine regulären Geschäftsbetriebe unterhielten. Es handelte sich um Scheinfirmen, die durch Familienangehörige der Hauptbeschuldigten gegründet worden waren. Bei den sogenannten Abdeckrechnungen handelte es sich um unrichtige Belege, bei denen Schwarzgeldzahlungen als Fremdleistungen ausgegeben wurden.

Zudem untermauerten Geldwäscheverdachtsanzeigen der Financial Intelligence Unit (FIU) des Zolls diesen Verdacht. Insgesamt waren vier solcher Servicefirmen Gegenstand der Ermittlungen. Auf den Konten dieser Firmen wurden rund 3,5 Millionen Euro vereinnahmt, dann aber größtenteils wieder als Bargeld abgehoben. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass das Bargeld sämtlich der Schattenwirtschaft zufloss.

Prüfungen auf den Baustellen und weitergehende Recherchen ergaben, dass die eingesetzten Subunternehmer eigene Schwarzarbeiter beschäftigten, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. So kamen sie ebenfalls in den Fokus der Ermittlungen. Es wurde festgestellt, dass diese Subunternehmen unter anderem auch durch Strohmänner geführt und Schwarzgeld generiert wurde. Einer der beschuldigten Subunternehmer beschäftigte zudem sich illegal aufhaltende Personen.

Teilweise übernachteten Arbeitnehmer auf den Baustellen. Als Unterkünfte dienten sanierungsbedürftige Objekte, die eigentlich aufgrund ihres maroden Zustandes nicht mehr bewohnbar waren. Der im Baugewerbe tariflich vereinbarte Mindestlohn wurde nicht gezahlt.

Die Ermittler stellten umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter auch Computer und Mobiltelefone.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Aachen dauern an. Für die Beamten des Hauptzollamts Aachen – Finanzkontrolle Schwarzarbeit – und der Steuerfahndung Aachen schließen sich umfangreiche Auswertungen an.

Original-Quelle : Zoll.de

Bilder vom Hochwasser Wertheim Altstadt 2003