Chef der niedersächsischen Kampfmittelbeseitigung geht in den Ruhestand

Chef der niedersächsischen Kampfmittelbeseitigung geht in den Ruhestand

Fast 16 Jahre leitete und prägte Thomas Bleicher den Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen (KBD). Jetzt verabschiedet sich der 62-jährige in den Ruhestand.

Mit Bleicher verliert nicht nur das LGLN (Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen) eine kompetente Persönlichkeit, auch das Land und die Kommunen, insbesondere alle für die Gefahrenabwehr zuständigen Ämter, profitierten von seinem Sachverstand und Engagement. Unzählige Entschärfungen, Bergungen und Sprengungen alter Weltkriegsmunition in ganz Niedersachsen wurden von Bleicher koordiniert und begleitet. Die zum Teil Jahrzehnte andauernde Entsorgung von Munitionsresten an Rüstungsaltlastenstandorten tragen seine Handschrift.

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LGLN-Präsident Michel Golibrzuch (li) verabschiedet Thomas Bleicher mit herzlichen Worten

Der KBD gehört seit 2012 zum LGLN und ist organisatorisch der Regionaldirektion Hameln-Hannover zugeordnet. LGLN-Präsident Michel Golibrzuch verabschiedete Thomas Bleicher mit herzlichen Worten: „Sie haben sich in bewundernswerter Weise und mit unermüdlichem Einsatz für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt. Dafür gebührt Ihnen größter Dank.“ In einer kurzen Ansprache würdigte Golibrzuch den scheidenden Dezernatsleiter und betonte dessen Lebensleistung, die Kompetenz und außergewöhnliche Einsatzbereitschaft.

Thomas Bleicher wirkte in seiner Funktion als KBD-Leiter in zahlreichen Projekten und Arbeitsgruppen mit. Erst im vergangenen Jahr begrüßte er in Hannover hochrangige Gäste aus den Bundesländern und benachbarten europäischen Staaten zur Jahrestagung der Kampfmittelräumdienste. Im Expertenkreis „Munition im Meer“ und der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft „Berücksichtigung von Naturschutzbelangen bei der Beseitigung von Munitionsaltlasten im Meer“ hatte er als niedersächsischer Vertreter ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Aktuell steht die Kampfstoffräumstelle „Dethlinger Teich“ im Fokus des KBD. Dort wurden während und nach dem Zweiten Weltkrieg Kampfstoffe in europaweit einmaligen Mengen versenkt. Besondere Meilensteine seiner Dienstzeit dürften die Neustrukturierung des KBD und der Wechsel von der Polizei zum LGLN sowie die Einführung des KISNI „Kampfmittelinformationssystem Niedersachsen“ sein, mit dem das digitale Zeitalter bei der Auswertung der Kriegsluftbilder zur Gefahrenerforschung eingeläutet wurde.

Bleicher selbst ist neben Großeinsätzen, unter anderem in Langenhagen, Hannover, Osnabrück und Göttingen mit Evakuierungen von Tausenden von Menschen, besonders ein Einsatz in Vechta in Erinnerung geblieben. Im Evakuierungsradius lagen unter anderem zwei Justizvollzugsanstalten, ein Krankenhaus und ein großes Altenheim. Besonders die Planung der Evakuierung der über 500 Insassinnen und Insassen der Vollzugsanstalten sorgte für immense Vorbereitungszeiten, die fast ein Jahr andauerten.

Der gebürtige Großburgwedeler ist Zeit seines Lebens der Region Hannover treu geblieben. Er startete mit 18 seine Laufbahn bei der niedersächsischen Polizei, spezialisierte sich als Einsatztaucher und arbeitete einige Jahre als Tauchgruppenführer für taktische und technische Einsätze. Obwohl ihm die Arbeit gefiel, entschied er sich, erneut die Schulbank zu drücken und avancierte mit 31 zum Diplomverwaltungswirt (FH). Dennoch ließ ihn das Tauchen nicht los und er diente der Polizei weitere zehn Jahre als Technischer Einsatzleiter, ließ sich zum Polizeitauchlehrer und Fahrlehrer für Wasserfahrzeuge ausbilden, arbeitete als Ausbildungsleiter für Polizeitaucher in den norddeutschen Bundesländern und als Projektleiter für Beschaffungsmaßnahmen des Bundesinnenministeriums im Bereich technischer Einsatzmittel.

In diese Zeit fiel auch seine Ausbildung zum Leiter für die Anwendung polizeilicher Sprengverfahren und für Maßnahmen zum Auffinden von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen, die ihn unter anderem qualifizierten, 2006 innerhalb der Zentralen Polizeidirektion Hannover Leiter des KBD zu werden. Vor 10 Jahren wurde er mit dem KBD zum LGLN versetzt, blieb jedoch Polizeibeamter.

Thomas Bleicher ist bekannt für seine souveräne und kompetente Art. „Auf ihn konnten wir uns immer verlassen,“ äußerte sich eine Mitarbeitende des KBD anerkennend. „Er war 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche im Dienst und immer ansprechbar“, ergänzte ein weiterer Kollege. Jetzt warten die Beschäftigten des KBD auf die Nachfolge. Aktuell läuft die Ausschreibung und es wird mit einer baldigen Wiederbesetzung gerechnet. Die Dezernatsleitung übernimmt bis dahin der Leiter des Dezernates für Verwaltungsaufgaben in der Regionaldirektion Hameln-Hannover Klaus Semper in enger Abstimmung mit der Einsatzkoordination des KBD.

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Thomas Bleicher geht nach fast 16 Jahren als Leiter des nds. Kampfmittelbeseitigungsdienst in den Ruhestand

Hintergrundinformationen zum KBD

Der KBD ist zuständig für die systematische Auswertung von Kriegsluftbildern zum Auffinden von Bombenblindgängern, die Luftbildauswertung für einzelne Grundstücke auf Antrag, die tatsächliche Bergung, die Entschärfung/Sprengung, den Transport und die Zwischenlagerung von Kampfmitteln. Daneben sind die Gemeinden als zuständige Gefahrenabwehrbehörden bei ihrer Aufgabenwahrnehmung beratend zu unterstützen und sämtliche Kampfmittelräummaßnahmen zu dokumentieren. Derzeit sind über 50 Beschäftigte an den Standorten Hannover, Munster und Wardenburg tätig.

Geschätzte 35.500 Tonnen an Kampfmitteln sind durch den niedersächsischen KBD in den vergangenen über 75 Jahren vernichtet worden. Wie viele Kampfmittel in Deutschland und im benachbarten Ausland noch im Erdreich schlummern, kann niemand sagen, aber allein in der Nordsee wird von vermuteten 1,3 Millionen Tonnen versenkter Kampfmittel ausgegangen.

Alle Informationen und Hinweise zum KBD sind unter https://lgln-kbd.niedersachsen.de/startseite zu finden.

Ansprechperson für Redaktionen:

Doris Henke
Leiterin der LGLN-Unternehmenskommunikation
Telefon: 0511 64609-384
lgln-kommunikation@lgln.niedersachsen.de

Original Quelle Niedersachsen.de

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