Neue Konstellation beim Windpark Höhefeld




Infoveranstaltungen auch wegen Corona abgesagt

Neue Konstellation beim Windpark Höhefeld: Das Unternehmen Statkraft hat acht der 14 Anlagen erworben. Foto: Stadt Wertheim


Der von der Stadt Wertheim initiierte Dialogprozess zum Windparkprojekt Höhefeld sollte im November mit zwei Informationsveranstaltungen starten. Die Bürgerschaft der sechs von dem Vorhaben besonders betroffenen Ortschaften war am 24. November nach Kembach und am 26. November nach Höhefeld eingeladen. Die beiden Termine werden nun abgesagt: zum einen wegen der aktuellen Pandemielage, zum anderen wegen einer neuen Konstellation der am Repowering-Projekt Beteiligten.



Die Absage ist das Ergebnis einer Beratung der Strategiegruppe Windkraft, bestehend aus Gemeinderäten, Ortsvorstehern, Naturschutzverbänden und Mitgliedern der Verwaltung sowie dem Oberbürgermeister. Grund ist zunächst die krisenhafte Entwicklung der Corona-Pandemie. Landesweit gilt seit Mittwoch die Alarmstufe und das RKI rät zur Zurückhaltung bei Veranstaltungen.



Der zweite und ausschlaggebende Grund ist, dass sich kürzlich die Eigentümerstruktur beim Windpark Höhefeld geändert hat. „Wir haben es mit einer neuen Konstellation zu tun, die zunächst der Klärung bedarf“, sagte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez. Als neuer Akteur ist das international agierende Unternehmen Statkraft aufgetreten, das zu 100 Prozent dem norwegischen Staat gehört. Anfang Oktober hat Statkraft das Windkraftportfolio des Windkraftbetreibers Breeze Three Energy aus Bremen erworben. Darunter fallen auch wesentliche Teile des Höhefelder Windparks.



Der vor etwa 20 Jahren entstandene Windpark Höhefeld besteht aus 14 Windkraftanlagen. Acht sind nun ins Eigentum von Statkraft übergegangen. Die restlichen sechs Windräder gehören zwei weiteren Betreibern. Der Grund und Boden wiederum, auf dem die Anlagen stehen, gehört unterschiedlichen Eigentümern. Sie haben ihre überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Regel langfristig an die Windkraftbetreiber verpachtet.



Im August hatte der Projektentwickler juwi in öffentlicher Gemeinderatssitzung den Plan vorgestellt, die bestehenden 14 Windenergieanlagen auf Höhefelder Gemarkung durch bis zu sechs neue, deutlich größere Anlagen zu ersetzen. Der Gemeinderat hatte daraufhin die Verwaltung beauftragt, gemeinsam mit dem Forum Energiedialog die objektive Information und Beteiligung der Bürgerschaft sicherzustellen. Der breit angelegte Bürgerdialog zu diesem Repowering-Projekt sollte mit den beiden Informationsveranstaltungen im November starten.



Nun hat man es nach dem Eigentumswechsel zu Statkraft mit einem neuen, noch unbekannten Akteur zu tun. Das Unternehmen entwickelt und betreibt seit über 125 Jahren Wasserkraftwerke und seit über 20 Jahren Windkraftanlagen. Es tritt als Europas größer Erzeuger und Entwickler von erneuerbaren Energien auf und beschäftigt 4.600 Mitarbeiter in 18 Ländern. Das Unternehmen, das 1999 ein Büro in Düsseldorf eröffnet hat, ist auf Expansionskurs: Kürzlich hat es 39 zusätzliche Windparks in Deutschland erworben, darunter auch die acht Windräder in Höhefeld.



Das in Branchenkreisen als seriös anerkannte Unternehmen hat die Stadt Wertheim vor kurzem schriftlich über den Eigentumswechsel informiert. Über die weiteren Pläne gibt es in diesem frühen Stadium noch keine konkreten Aussagen. Doch nach bisherigen Äußerungen steht zu erwarten, dass Statkraft ebenfalls Interesse an einer Erneuerung (Repowering) der Anlage hat.



„Es besteht eine neue Gemengelage, die erst geklärt werden muss. Ohne Klarheit auf der Eigentümerseite kann keine Klarheit im Sinne der Bürgerschaft hergestellt werden“, sagte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez. Die drei jetzt Beteiligten – Projektentwickler, Betreiber und Grundstücksbesitzer – seien in einer komplexen Vertragslage miteinander verbunden. Die Stadt werde Gespräche aufnehmen, um Verlässlichkeit darüber herzustellen, welche Auswirkungen – auch in zeitlicher Hinsicht – die veränderte Konstellation auf die Entwicklung des Repowering-Projekts hat.



Die Bürgerinformationsveranstaltungen, so das Fazit der Strategiegruppe, „sind aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.“  Sie sollen zu gegebener Zeit neu terminiert werden. Man gehe davon aus, dass alle beteiligten Akteure weiterhin zu einem dialogorientierten Vorgehen bereit sind. Die Strategiegruppe vereinbarte, bis zu einer Klärung der neuen Projektkonstellation die Hände nicht in den Schoß zu legen, sondern weiterhin über Wege zu diskutieren, wie mögliche Belastungen für die Bürgerschaft so gering wie möglich gehalten werden können, ohne sich dabei grundsätzlich gegen erneuerbare Energien zu positionieren.

Quelle : Wertheim.de

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